
Markenzeichen vieler Alfa: der sogenannte Scudetto
Laut Duden fallen Diven in erster Linie durch ihr attraktives Äusseres und exzentrische Allüren auf. So gesehen ist der frisch überarbeitete Brera von Alfa Romeo nur eine halbe Diva, denn trotz aller Schönheit hält sich das Modell mit Allüren zurück. Was nicht heissen soll, dass sich der Brera anstandslos den optischen und technischen Vorgaben aus der oft spiessigen Autowelt unterwirft.
Dazu ist der Brera schlicht zu speziell. Nur schon sein Blechkleid passt in keine Schublade, insbesondere das Hinterteil. Für ein Coupé ist es fast zu wenig flach, für einen normalen Kompakten viel zu muskulös. Aber attraktiv ist es auf jeden Fall, vor allem nach mehrmaliger Betrachtung wird der Brera-Po immer reizvoller. Und dabei ist er gar nicht mal so unpraktisch, denn unter den Kofferraumdeckel passen beachtliche 300 Liter Gepäck, ohne dass die hintere Sitzreihe angefasst werden müsste.
Laut Fahrzeugausweis ist der Brera ein Viersitzer, aber das sollte man nicht allzu ernst nehmen. Für kurze Strecken passen zwar locker zwei Personen auf die Rücksitzbank, aber eine lange Reise sollte man niemandem zumuten. Dafür sind aber die Vordersitze sehr bequem geschnitten und bieten dabei viel Seitenhalt. Überhaupt schlägt die Stunde des Brera in der vorderen Sitzreihe, nur von hier aus hat man nämlich den perfekten Blick auf eines der schönsten Armaturenbretter, seit es Autos gibt.
Einfach ein schönes Interieur
Die Mittelkonsole unseres Testwagens erstrahlt in gebürstetem Aluminium. Und zwar nicht nur optisch, sondern auch beim Anfassen. Ergo: Es ist echtes Metall und wirkt dadurch extrem edel. Traditionelle Zeitgenossen würden vielleicht Wurzelholz vorziehen, aber das passt nie und nimmer so gut zum Brera wie dieses Aluminium. Ausserdem wirkt es gar nicht mal so unnobel, vor allem dann, wenn man sich das grosse Lederpaket für das Armaturenbrett gönnt. Wo immer die Finger dann hinwandern - sie berühren Leder.
Weiterführende Links:
Galerie
Bei allem Luxus geht beinahe vergessen, dass der Brera unter dem Strich ein sportliches Automobil sein möchte. Aber spätestens nach dem Druck auf den Startknopf wird einem das ganz schnell bewusst. Eigentlich könnte man sich eine Musikanlage sparen, denn besseren Sound als das Grummeln des V6 in Verbindung mit der optisch wie akustisch beeindruckenden Auspuffanlage kann es fast nicht geben. Obwohl es ja beim Gas geben vor allem darum ginge, das Auto in Bewegung zu bringen, erwischt man sich selbst bei 50 km/h im Dorf immer wieder dabei, wie man ganz sanft das Gaspedal streichelt. Nur ein kleines bisschen, Hauptsache der Brera quittiert es mit Musik.
Keine Rakete, aber souverän
Protagonist des Brera-Orchesters ist ein 3,2 Liter grosser Benziner mit sechs Zylindern, der seine Kraft je nach Modellvariante auf die Vorder- oder alle Räder überträgt. Dieser Motor hat 260 PS und glänzt mit einer sehr harmonischen Kraftentfaltung. Der Brera gibt sich nie brachial, aber genug Power hat er allemal. Von 0 auf 100 vergehen exakt sieben Sekunden, maximal liegen 250 km/h drin. Wahrscheinlich würde das Fahrwerk noch viel mehr Tempo vertragen, denn es gibt sich genauso souverän wie der Motor. Auch nach längeren Fahrten wird es im Brera trotz einer gewissen Härte der Federung nicht unbequem. Dazu passt die herrlich leichtgängige Sechsgangschaltung. Genauso stellt man sich einen bequemen und doch sportlichen Begleiter für den Alltag vor. Zu haben ist der Brera übrigens ab unter 50'000 Franken. Damit ist das Modell sicher günstiger als eine Diva aus Fleisch und Blut.
| Marke, Modell |
Alfa Romeo Brera 3.2 JTS V6 |
| Motor |
3,2-Liter-Benziner |
| Leistung KW/PS |
191/260 |
| Drehmoment maximal |
322 Nm |
| Leergewicht ca. |
1615 kg |
| Beschleunigung 0-100 |
7,0 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit |
250 km/h |
| Druchschnittsverbrauch nach Werk |
11,0 Liter/100 Kilometer |
| Masse (L x B x H) |
4,41m x 1,83m x 1,34m |
| Preis (gefahrener Wagen) |
66'910 Franken |
Von Simon Tottoli