
Franck Ribery musste verletzt vom Platz
Kollektives Aufatmen in Bella Italia. Im Schicksalspiel der Gruppe C setzte sich der Weltmeister mit 2:0 gegen Frankreich durch und erreichte Dank des niederländischen Sieges im Parallelspiel gegen Rumänien nach verkorkstem Turnierstart doch noch das EM-Viertelfinale.
Mannschaftsbus beschädigt
Nach 30 Jahren glückte den Italienern damit wieder ein Sieg gegen Frankreich in einem Turnierspiel. Der letzte Erfolg der Squadra Azzurra datierte aus der Vorrunde der WM 1978. Den Franzosen hätte schon auf dem Weg ins Stadion zur in der Neuauflage des WM-Finales von 2006 Böses schwanen müssen. Denn kurz vor dem Zürcher Letzigrund war der Mannschaftsbus in einer engen Kurve hängen geblieben. Beim anschliessenden Wendemanöver fuhr der Bus dann noch zweimal auf ein hinter ihm fahrendes Auto des französischen Fussballverbandes auf.
Die Blechschäden sollten in dem intensiven, aber keineswegs hochklassigem Spiel nicht die einzigen Blessuren der Equipe Tricolore bleiben. Franck Ribery verletzte sich schwer, Coach Raymond Domenech wird wohl seinen Job verlieren... Doch der Reihe nach.
Änderungen auf beiden Seiten
Roberto Donadoni wartete erneut mit einer umformierten Defensive auf. Christian Panucci und Giorgio Chiellini bildeten die Innenverteidigung, flankiert von den Aussen Gianluca Zambrotta und Fabio Grosso. Im Sturm dufte Antonio Cassano von Beginn an neben Luca Toni auflaufen.
Auch im französischen Team hatte Coach Raymond Domenech nach der Niederlage gegen die Niederlande umgestellt. In der Abwehr ersetzten Eric Abidal und Francois Clerc Willy Sagnol und Lilian Thuram, im Sturm durften Kerim Benzema und Thierry Henry wirbeln. Auf die Bank musste Florent Malouda, für den Franck Ribery auf der linken Mittelfeldseite spielen durfte. Zuletzt hatte der Bayern-Star in der Mitte bzw. auf rechts ran gemusst.
Schwere Ribery-Verletzung und Rote Karte
Doch sein Einsatz währte nur neun Minuten. Bei einem Foul gegen Zambrotta verletzte sich mit Ribery ausgerechnet der beste Franzose im verkorksten Verlauf des Turniers. Mit schmerzverzerrtem Gesicht musste der Mittelfeldstar nach längerer Behandlungspause vom Platz gefahren werden und wurde mit Verdacht auf Unterschenkelbruch ins Krankenhaus gebracht. Ihn ersetzte Samir Nasri.
Die Equipe Tricolore musste sich zunächst neu ordnen und prompt kam Italien zur zweiten guten Torchance der Partie. In der fünften Minute hatte Toni einen Fehler von Abidal ausgenutzt, aber aus 18 Metern das Tor verfehlt. Fünf Minuten später klärte Claude Makelele einen Kopfball von Panucci vor der eigenen Torlinie.
Frankreich kam zwar trotz fehlendem Spielgestalter vor das gegnerische Tor, agierte im Angriff aber ungefährlich. Italien kombinierte besser, vor dem Tor blieben sie auch zunächst wirkungslos. Bis in der 24. Minute Abidal Luca Toni im Strafraum von den Beinen holte. Der Franzose sah wegen Notbremse die Rote Karte und Italien bekam einen Elfmeter zugesprochen, den Pirlo zum 1:0 sicher verwandelte.
Blinder Aktionismus bei den Franzosen
Die Franzosen agierten zunächst hilflos. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch an der Seitenlinie: Domenech sorgte für viele Fragezeichen auf den Gesichtern im Stadion, als er umstellte und für den erst eine Viertelstunde zuvor eingewechselten Nasri nun Jean-Alain Boumsong brachte.
Italien übernahm jetzt das Kommando und kam zu weiteren Chancen. In der 27. Minute hatte Toni den Ball mit dem Rücken zum Tor stehend mit der Hacke nur knapp am Gehäuse von Gregory Coupet vorbeigezirkelt. Doch genau wie diese konnte Toni ein, zwei weitere gute Möglichkeiten nicht verwerten. Die Franzosen fingen sich ab der 30 Minute kurz wieder, spielten offensiver Doch Thierry Henry, der seinem Bewacher Chiellini entwischt war, spielte aus spitzem Winkel am Tor vorbei. Es sollte die einzige brauchbare Chance bis zur Pause der des Weltmeisters von 1998 bleiben. Weitere Angriffe endeten im Nirwana.
Italien hätte kurz vor der Pause mit einem Freistoss von Grosso die Führung ausbauen können. Doch Coupet lenkte den Ball mit toller Parade an den Pfosten und verhinderte Schlimmeres. Kurz vor der Pause handelte sich Pirlo dann noch nach einem Foul an Karim Benzema seine zweite Gelbe Karte ein und fehlt somit im Viertelfinale.
Italien jederzeit Herr der Lage
Frankreich startete besser und mit mehr Druck in die zweite Halbzeit. Eine klare Struktur liessen sie aber vermissen und so blieben sie erfolglos: Benzemas Schuss (50.) verfehlte das Ziel knapp, ein wenig druckvoller Drehschuss von Henry wurde zur leichten Beute von Gianluigi Buffon.
Donadoni stellte um, brachte für den verwarnten Pirlo dessen Milan-Teamkollegen Massimo Ambrosini. Italien wirkte abgeklärter und jederzeit Herr der Lage. In der 61. Minute konnte Coupet einen steil und optimistisch auf Toni gespielten Pass noch wegschiessen. Gegen einen Freistoss von Daniele de Rossi (62.) war er dann jedoch machtlos, da Henry unhaltbar zum 2:0 für Italien abfälschte.
Domenech versuchte noch einmal alles nach vorne zu werfen und brachte Nicolas Anelka für Sidney Govou (66.). Doch bis auf einen halbwegs geglückten Benzema-Schuss, den Buffon entschärfen konnte, kam nichts mehr heraus. Italien verwaltete das Ergebnis
Wermutstropfen: Sperren für Pirlo und Gattuso
Für Frankreichs Coach brechen nach dem schwachen Abschneiden schwere Zeiten an. Er wird wohl seinen Hut nehmen müssen. Zinedine Zidan wird bereits als Nachfolger ins Gespräch gebracht. In Italien sitzt Roberto Donadoni wohl wieder fester im Sattel. Der Mister wird sich nach dem ausgelassenen Jubel einige Gedanken vor dem Viertelfinale gegen Spanien machen müssen. Schliesslich muss er sein Mittelfeld komplett umkrempeln, da neben Pirlo auch noch Gennaro Gattuso die zweite Gelbe Karte sah und gesperrt ist.
Malte Asmus