19.06.2008
Schweinsteiger führt Deutschland in den Halbfinal

Bastian Schweinsteiger war an allen drei Toren beteiligt
Die deutschen Fans, die deutlich in der Mehrzahl im mit 39 374 Zuschauer ausverkauften St.-Jakob-Park waren, sangen sich am Ende für den Halbfinal am Mittwoch, 25. Juni, gegen Kroatien oder die Türkei an gleicher Stätte ein. "Heimspiel in Basel" zelebrierten sie im Regen, der in der zweiten Halbzeit - schon fast traditionell an dieser EURO - einsetzte.
Und sie huldigten Bastian Schweinsteiger, der sieben Minuten vor dem Abpfiff seinen erfolgreichen Arbeitstag vorzeitig beendet hatte. "Schweini" hatte den ersten Treffer selber erzielt und den zweiten und dritten mit einer perfekten Freistoss-Flanke vorbereitet.
Mit aggressivem Spiel traten die Deutschen den technisch deutlich überlegenen Portugiesen entgegen. Und Joachim Löw, der das Spiel wegen einer Sperre auf der Tribüne verfolgen musste, änderte gegen die offensiven Lusitaner auch sein System, um die Räume im Mittelfeld einzuengen. Mit Thomas Hitzlsperger und Simon Rolfes schickte Löw anstelle von Torsten Frings, der wegen seines Rippenbruchs nicht zum Einsatz kam, zwei defensive Mittelfeldspieler aufs Feld. Der in den Gruppenspielen unglücklich auftretende Mario Gomez wurde der defensiveren Ausrichtung geopfert -- just an dem Tag, als Stuttgart offizialisierte, dass es mit Bayern München über einen Transfer verhandle.
Schweinsteigers Auftritt
Der Plan ging für die von ihrem Fans mit einer prachtvollen Choreographie empfangenen Deutschen perfekt auf. Lukas Podolski setzte sich im linken Couloir gegen Bosingwa und Pepe durch, und in der Mitte rutschte Bastian Schweinsteiger vor Paulo Ferreira in die scharfe Hereingabe -- 1:0 (22.). Ausgerechnet Schweinsteiger. Vor zwei Jahren hatte der Münchner an der WM das Spiel um Platz 3 gegen Portugal mit zwei Treffern sowie einem provozierten Eigentor entschieden. Und Schweinsteiger stand nur vier Minuten später auch am Ursprung des zweiten deutschen Treffers. Seine Freistossflanke konnte Miroslav Klose unbedrängt einköpfeln. Es war der erste Turniertreffer für den Torschützenkönig der zum Sommermärchen verklärten Heim-WM.
Die Portugiesen diktierten wohl das Spielgeschehen, doch hielten die Deutschen mit ihrem kompakten Abwehrriegel das Spiel meist von Jens Lehmann fern. Nur selten fand der EM-Finalist von 2004 den Weg durch die von zuweilen zehn Spielern auf engstem Raum gebildete weiss-schwarze Abwehrmauer. Vor allem über die rechte Seite riss Aussenverteidiger Bosingwa Lücken ins defensive Dispositiv der DFB-Auswahl. Joao Moutinho, der nach einer halben Stunde mit einer Knieverletzung ausschied, vergab die beste Möglichkeit für den Sieger in der Schweizer Gruppe A. Eine Flanke Bosingwas lenkte er mit dem Oberschenkel knapp über die Latte.
Wenig Gefahr vor Lehmann
Wie trügerisch der Vorsprung der Deutschen jedoch war, zeigte sich kurz vor der Pause. Der oft mit sich, Schiedsrichter und Mitspielern hadernde Cristiano Ronaldo entwischte dem eher schwerfälligen Per Mertesacker. Lehmann blockt zwar den Schuss des Stars von Manchester United, doch verwertete Nuno Gomes den Rebound sicher (40.). Für den Captain der "besten Selektion der Welt", wie der euphorische Teamspeaker Portugals angekündigt hatte, war es der erste Treffer im Nationalteam seit März 2007.
Die Portugiesen suchten nach dem Seitenwechsel den Ausgleich, drängten die Deutschen weit zurück. Der dreifach Europa- und Weltmeister hielt sich jedoch schadlos. Einzig bei Pepes Kopfball nach einem Corner (57.), der aus kurzer Distanz, aber unkontrolliert abgegeben knapp übers Tor flog, war die Führung nie ernsthaft in Gefahr. Aufwand und Ertrag stand bei den Portugiesen in einem krassen Missverhältnis.
Ronaldo enttäuschend und enttäuscht
Bei einem der zunehmend rarer werdenden Gegenstösse setzten die Deutschen den nächsten und letztlich tödlichen Nadelstich. Pepe hatte mit einem Bodycheck an Klose, für den er mit der Gelben Karte eher belohnt denn bestraft wurde, einen Freistoss provoziert. Aus praktisch identischer Position hatte Schweinsteiger das 2:0 durch Klose vorbereitet, diesmal war Michael Ballack der Adressat. Der Captain des DFB-Teams hatte sich mit einem kleinen Schubser gegen Ferreira geschickt den nötigen Raum verschafft und das 3:1 markiert. Dass Keeper Ricardo kläglich an der Flanke vorbeigesegelt war, begünstigte den zweiten Turniertreffer des überragenden Ballack.
Ganz am Ende gelang dem eingewechselten Helder Postiga nach feiner Vorarbeit von Nani zwar noch der Anschlusstreffer. Zu mehr reichte es dem Team von Luiz Felipe Scolari aber nicht mehr. Im besonderen Ronaldo vermochte mit Ausnahme seines Assists zum ersten Anschlusstreffer keine Akzente zu setzen. Nach dem Schlusspiff verschwand er als erster und begleitet von einem Betreuer vom neu verlgten Rasen, der an ein grün-braune Patchwork erinnerte, im Spielergang. Die deutschen bedachten den ManU-Star, der zum grossen Spieler des Turniers werden wollte, wie schon während der ganzen Partie mit Pfiffen.