In Testspielen schlägt oft die Stunde der Probables. Wenn das Team nicht um Punkte kämpft, erhalten Spieler der zweiten und dritten Reihe die Chance, in der Hierarchie nach oben zu drängen. Einer von ihnen ist Reto Ziegler. Gegen Finnland nimmt er heute den zweiten Anlauf, sich in der Nationalmannschaft zu etablieren.
Unter Köbi Kuhn gehörte Reto Ziegler fünfmal zum Kader der SFV-Auswahl. Fuss fasste der 22-jährige Romand von Sampdoria Genua aber nicht. "Es war oft frustrierend. Ich erhielt Aufgebote, aber nicht genügend Zeit, mich im Spiel zu zeigen", so Ziegler. Vier Teileinsätze gewährte Kuhn dem Aussenverteidiger mit dem starken linken Fuss. Den ersten im März 2005 im Stade de France gegen Frankreich, den letzten vor einem Jahr im tristen Heimspiel im Letzigrund gegen Nigeria (0:1). Tiefpunkt dieser Spiele unter Köbi Kuhn war die Partie gegen Zypern, als Ziegler noch vor der Pause ausgewechselt wurde.
In St. Gallen will Ziegler sich selbst, den Fans und vor allem Ottmar Hitzfeld beweisen, dass er mehr sein kann, als nur ein Ergänzungsspieler. Die Voraussetzungen sind nicht schlecht. Auf der Position des linken Aussenverteidigers ist die Hierarchie nicht in Stein gemeisselt. Christoph Spycher erlitt kürzlich eine komplizierte Knorpelverletzung im Knie, wie lange er ausfällt, ist ungewiss. Und Ludovic Magnin, der Vizecaptain des Nationalteams, hatte bei Stuttgart einen schlechten Saisonstart. "Reto Ziegler war Leistungsträger in der U21 und hatte grössten Anteil am Erfolg dieser Mannschaft in diesem Herbst", so Hitzfeld.
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Vertrag bei Sampdoria bis 2011
Der Nationaltrainer geht die Personalie Ziegler dieser Tage unvoreingenommen an. Hitzfeld habe ihn bei Sampdoria nie besucht. Der Kontakt sei über U21-Trainer Pierre-André Schürmann gelaufen. Aber Ziegler ist sich sicher, "dass der Trainer mir voll vertraut, sonst würde er mich nicht aufstellen." Vertrauen, das ihm in diesen Wochen von Sampdorias Coach Walter Mazzari nicht immer entgegengebracht wird. "In der Meisterschaft komme ich meist erst im Verlaufe der Partie zum Einsatz. Aber dank UEFA-Cup und italienischem Cup habe ich doch fast die Hälfte der Partien von Beginn weg absolviert."
Während sich Ziegler in der aktuellen Situation in Genua nicht zu den Stammkräften zählen kann, sieht er sich in der Hafenstadt aber längerfristig als wichtigen Bestandteil der "Blucerchiati". "Im Sommer lagen mir Offerten von Vereinen aus der Serie A und dem Ausland vor. Doch Sampdoria liess mich nicht ziehen und verlängerte stattdessen meinen Vertrag bis 2011. Diese Wertschätzung war mir sehr wichtig und gibt mir das Vertrauen, im richtigen Klub zu sein."
"Aufgebot Hitzfelds ist eine Ehre"
Auf lange Sicht könnte für Ziegler auch von Vorteil sein, dass er auf verschiedenen Positionen eingesetzt werden kann. Als Aussenverteidiger mit offensiven Qualitäten, gelangt er bei Sampdoria im Normalfall im Fünfer-Mittelfeld im linken Couloir zum Einsatz. In der Partie gegen Milan, als er in der Startformation figurierte, lief er derweil im zentralen Mittelfeld auf -- und versuchte die Kreise der Stars Ambrosini und Ronaldinho zu stören. Und sein Debüt in der Schweizer Nationalmannschaft gab er vor dreieinhalb Jahren beim 0:0 in Frankreich in einer offensiven Mittelfeldrolle quasi als linker Flügel.
"Grundsätzlich sehe ich mich aber als Aussenverteidiger. Auf dieser Position habe ich die meisten Spiele absolviert." Er interpretiere die Rolle anders als Spycher und Magnin. Man kann also gespannt sein auf seinen Auftritt, zumal der ehemalige Captain der U21 ein Versprechen für den Mittwoch abgab: "Ich werde mich nicht zurückhalten. Schliesslich ist es eine Ehre, wenn dich ein Trainer wie Ottmar Hitzfeld aufbietet."