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Don't stop me now - Die Serie A auf dem Weg zurück
Don't stop me now - Die Serie A auf dem Weg zurück
Die beliebten Doppelhalter sind akut vom Aussterben bedroht.

Die Serie A schreibt wieder steigende Zuschauerzahlen. Auch das Rennen um die Meisterschaft ist offener als sonst. sportal.ch schaut den Fans über die Schultern, und zieht eine Bilanz nach rund einem Drittel der Meisterschaft...

Die Serie A gewinnt langsam wieder an Ansehen unter den fussballverrückten Tifosi. In Vorjahren litt der Zuschauerschnitt nicht nur unter den gewalttätigen Fans, sondern auch weil merkwürdige Gesetze die Fans von den Stadien wegekelten. So wurde vor drei Jahren entschieden, dass fortan alle Tickets mit dem Namen des Inhabers versehen sein müssten, und später wurde begonnen den heissblütigen Fans regelmässig Auswärtsfahrten zu verbieten. Die von den Medien immer wieder durchgekauten Fan-Ausschreitungen waren dem italienischen Fussballverband zu viel. Doch nicht nur, auch bei Details wurde durchgegriffen: Die beliebten Doppelhalter durften nur nach einem mühsamen bürokratischen Krieg ins Stadion gebracht werden, und Wasserflaschen sowie Feuerzeuge werden seither an den Eingängen konfisziert. Dies schreckte das Publikum ab, liess vor zwei Jahren die Zuschauerzahlen so weit sinken wie noch nie - heute scheinen sich die chaotischen Italiener an den geregelten Ablauf einigermassen gewohnt zu haben. Der Zuschauerschnitt ist diese Saison auf rund 25'000 Zuschauer pro Spiel gestiegen, letzte Saison waren es 23'800, vorletzte gar 19'700.

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Gleich vier Derbys sorgen für Furore

Aber es gibt auch andere Gründe für die Widergeburt des Sex-Appeals der Serie A: Dieses Jahr ist die Meisterschaft so spannend wie nie, zudem sind praktisch alle Traditionsvereine im Oberhaus vertreten. Mannschaften wie Ascoli, Livorno, Messina und Empoli sind in der Serie A in den letzten Jahren durch Napoli, Juventus, Genua und Bologna ersetzt worden. Das belebt die Liga. Endlich werden in der Serie A wieder alle vier wichtigen Derbys gespielt - Inter Mailand - AC Mailand, Juventus Turin - FC Turin, Sampdoria Genua - CF Genua und SS Lazio - AS Roma. Die Meisterschaft ist so auch ausgeglichener, denn es gibt mehr „schwierige" Auswärtsspiele vor heissblütigen Fans, als noch vor ein paar Jahren. Die Serie A ist an Spannung kaum zu überbieten, die Tabelle spricht Bände: Nach zwölf Runden sind neun Mannschaften innerhalb von sieben Punkten an der Spitze platziert.

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AC Mailand will Inter vom Thron schubsen

Die grossen Vereine aus dem Norden kämpfen nicht mehr alleine um den Titel. Letztes Jahr kreiste zu dieser Zeit Inter bereits alleine seine Runden und blickte mit genügendem Sicherheitsabstand auf die anderen Vereine herunter. Heute beträgt der Vorsprung gerade mal einen Punkt, und am Wochenende ist Juventus zu Gast im Giuseppe-Meazza-Stadion.

Milans Vize-Präsident Adriano Galliani setzte letztes Jahr mit einer veralteten Equipe alles auf den internationalen Ruhm. Doch der Champions-League-Traum verpuffte und in der Meisterschaft verpasste man gar die Qualifikation für die Königsklasse. Dieses Jahr haben sich die Mailänder mit Ronaldinho, Flamini, Senderos u.a. derart verstärkt, dass alles andere als der „Scudetto" eine Enttäuschung wäre.

Napolis Zwischensaison zum Titel

Vorne spielt auch der SSC Napoli mit. Was sich überraschend anhört, kommt alles andere als unerwartet: Die Süditaliener bauen ihr Erfolg auf eine gewiefte Planung von Direktor Pierpaolo Marino und Präsident Aurelio De Laurentis. Der durch sein Kino-Imperium reich gewordene De Laurentis übernahm Napoli in der vierthöchsten italienischen Liga nach dessen Konkurs. Innnert fünf Jahren brachte er mit einem einwandfreien Projekt die Hafenstädter wieder an die Spitze der Serie A. Gekonnt wurde auf junge Spieler gesetzt und auf Millionengehälter verzichtet. Vor allem ein Duo wird in Zukunft international für Furore sorgen: Der Slovake Marek Hamsik und und der Argentinier Ezequiel Lavezzi. Zusammen in eine funktionierende Einheit eingebaut, streben sie dem Traum der Champions-League-Qualifikation nach. Das soll aber nur eine Zwischenstation bleiben. Das Ziel ist der Gewinn des „Scudettos": In 3 Jahren soll dies Tatsache werden.

Lazios erfolgreiche Sparpolitik

Auf dem fünften Rang erblickt die SS Lazio, nach einer turbulenten Saison, in der sie gar gegen den Abstieg spielen mussten, wieder die Sonnenseite der Tabelle. Präsident Claudio Lotito, der Lazio 2004 nach dem Niedergang der grössenwahnsinnigen Cragnotti-Gruppe übernommen hat, setzte auch diese Saison seine Sparpolitik weiter. Der launische Präsident stellte zu Saisonbeginn gleich neun Akteure frei, welcher seiner Meinung nach zu viel Gehalt kassieren würden, und verstärkte sein Team mit mehrheitlich unbekannten Spielern aus tieferen oder ausländischen Ligen. Der Plan ging auf. Die Laziali um das Sturmtrio Tommaso Rocchi - Mauro Zarate - Goran Pandev spielen schnellen Kombinationsfussball und haben die treffsicherste Offensivabteilung der Liga.

Bei der AS Roma ist der Wurm drin

Enttäuschend waren hingegen die Auftritte des Lokalrivalen AS Roma. Obwohl man das Derby knapp gewinnen konnte, ist der Start einer der schlechtesten der Vereinsgeschichte: Nur drei Punkte trennen die Gladiatoren von den Abstiegsplätzen. Zu Saisonbeginn verabschiedeten sich die Hauptstäter von ihrem geliebten Präsidenten Franco Sensi - seit dem tristen Lebewohl ist bei der AS Roma der Wurm drin. Vorne verziehen die Stürmer und hinten machen die Hinterleute die Tore gleich selbst - wie Cicinho, der gegen Bologna in den Schlussminuten zum Ausgleich ins eigene Netz köpfelte. Mit dem Derbysieg geht es vielleicht wieder aufwärts, denn Neuzugang Julio Baptista konnte endlich wieder gross aufspielen: Er erzielte per Kopf das Siegestor. Nun soll er die Römer aus der Misere tragen.

Alles deutet auf eine spannende Meisterschaft hin. Ob sich an der Spitze doch zwei oder drei Teams absetzen ist fraglich. Sollte sich aber Meister Inter definitiv an die Umstellungen Mourinhos anpassen, wäre eine Flucht des Leaders durchaus möglich. Hinten sind die Gegner hungrig, allen voran die Erzrivalen Milan und Juventus.

Von Antuan Pace

 
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