Ein Sieg der Schweiz? Vielleicht ein anderes Mal...
Alles Gute kommt von oben: Auch die Qualifikation für die WM 2010?
Noch nie war Finnland an einer EM oder WM - dies soll sich ändern. Vor dem Spiel gegen die Schweiz analysiert Hannu Tihinen die Entwicklung des finnischen Fussballs. Er ist optimistisch - und will einer seiner grossen Träume endlich erfüllen...
''Ich habe mit Almen Abdi keine Wette am laufen - er weiss, dass Finnland gewinnen wird und wollte darum nichts riskieren.'' Es ist leicht zu erraten, von wem diese Worte kommen: Hannu Tihinen. Der Schalk sitzt dem Verteidiger des FCZ seit jeher im Nacken, auch vor dem Länderspiel gegen die Schweiz ist dies nicht anders - gerne provoziert er seinen Klubkollegen ein wenig.
Nicht Fisch und nicht Fleisch
Wie stark ist Finnland, Hannu Tihinen? ''Wir sind nicht schlecht, aber auch nicht gut genug.'' Die ''Uhus'' (finnisch: Huuhkajat) haben seit vielen Jahren grosse Mühe, das Image der grauen Fussballmaus abzulegen - vor allem deshalb, weil sie sich noch nie für eine EM oder WM qualifizieren konnten.
In der FIFA-Weltrangliste steht das Team auf Rang 48 (Schweiz 27), in den letzten Jahren turnte man zwischen Platz 33 und 79 umher. Dennoch ist eine positive Entwicklung in jüngster Vergangenheit durchaus zu erkennen: 1998 verpassten die Nordmänner die Qualifikation für die WM nur ganz knapp, 2002 schlossen sie die WM-Quali trotz zweier Unentschieden gegen Deutschland hinter der Bundeself und England auf Platz 3 ab. Nachdem man es auch 2006 nicht an die Titelspiele schaffte, scheiterte das damals von Roy Hodgson trainierte Team auch in der Quali für die Euro 2008 - wenn auch nur hauchdünn. Bis zum letzten Spieltag konnten die Finnen noch hoffen, letztlich zogen sie in der schwierigen Gruppe mit Polen, Portugal, Serbien und Belgien dann aber doch den Kürzeren.
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Anhäufung von Söldnern
''Trotzdem: In den letzten zehn Jahren hat Finnland einen grossen Schritt nach vorne gemacht'', meint Tihinen. Vor allem die Leistungen von Jari Litmanen mit Ajax Amsterdam hätten einen Fussball-Boom ausgelöst. Und obwohl der Traum von einer Teilnahme an einem grossen Turnier bislang unerfüllt blieb, scheint er doch von Jahr zu Jahr realistischer zu werden. Der Grund hierfür sieht der 32-Jährige im Exodus von Spielern der heimischen Liga: ''Früher spielten die meisten Nationalspieler noch zuhause, heute sind meine Teamkollegen in Klubs in ganz Europa verstreut - dort können sie sich besser weiterentwickeln.''
Von den Spielern, die heute wohl in der Startformation stehen werden, spielen gerade einmal noch zwei in der heimischen ''Veikkausliiga''. Konkret sieht das so aus: Jääskeläinen (Bolton Wanderers), Lampi (FCZ), Hyypiä (Liverpool), Tihinen (FCZ), Kallio (Fulham), Kolkka (NAC Breda) , Heikkinen (Rapid Wien), Eremenko (Saturn Ramenskoje), Hämäläinen (Turku); Väyrynen (PSV Eindhoven), Johansson (Malmö).
''...wohl die letzte Chance, meinen Traum zu erfüllen''
Auch für das nächste grosse Fussballturnier, die WM 2010 in Südafrika, war Finnland bei der Quali-Gruppenauslosung nicht vom Losglück begünstigt: Das Team muss sich unter anderem gegen Deutschland, Wales und Russland durchsetzen - alles andere als ein Zuckerschlecken. Beim ersten Spiel ging man in Moskau 3:0 unter, dann besiegte man zuhause Aserbaidschan 1:0 und schliesslich trotzte man Deutschland in Helsinki ein 3:3 ab - wobei das Team von Coach Stuart Baxter erst sieben Minuten vor Schluss den Ausgleich hinnehmen musste. ''Ich bin trotzdem guten Mutes, dass wir an die WM 2010 fahren", erklärt Tihinen. „Für mich ist es wohl auch die letzte Chance, diesen Traum doch noch zu erfüllen.''
Spiel gegen die Schweiz: Ein optimaler Test
Für den Innenverteidiger ist das heutige Spiel in der AFG-Arena wichtig, um Schwung für den Quali-Match gegen Wales zu holen: ''Die Schweiz schätze ich besser ein als die Waliser - für uns ein optimaler Test.'' Geschenke will Tihinen der Hitzfeld-Elf keine machen, auch wenn er betont, wie wohl er sich in der Schweiz seit seiner Ankunft vor zweieinhalb Jahren fühlt. Und was, wenn die Schweiz gewinnen sollte? '''Wie bitte? Vielleicht ein anderes Mal'', lacht Tihinen.