Die Axpo Super League gewann nach dem Rückrunden-Start an Spannung, weil Leader YB bei Verfolger Basel gleich 0:4 verlor und der Vorsprung nun bloss noch vier Punkte beträgt. Am Tabellenende zeigte Aarau ein Lebenszeichen und fertigte Bellinzona 6:3 ab.
Am Samstag war die Rückrunde in St. Gallen und Zürich noch kaum in die Gänge gekommen. Ein einziges Tor gab es in den beiden Partien zu beklatschen. Am Sonntag aber brachen die Dämme doch noch. 19 Treffer in den drei Partien in Basel, Aarau und Luzern machten klar: es wird wieder Fussball gespielt in der Schweiz -- und die kommenden Wochen versprechen nach den Resultaten der 19. Runde viel Spannung im Titelrennen und im Duell gegen den Abstieg.
Basler Steigerungslauf ins Glück
Ein Spitzenspiel war es lange nicht in Basel. Erst Mitte der zweiten Halbzeit ereignete sich die vorentscheidende Aktion: FCB-Talent Xherdan Shaqiri zog Richtung gegnerisches Gehäuse, wurde zu spät gestört, seinen Weitschuss konnte YB-Goalie Marco Wölfli nicht festhalten, Marco Streller setzte nach und fiel über das ausgestreckte Bein von Wölfli, was WM-Schiedsrichter Massimo Busacca ohne zu zögern mit einem Foulpenalty ahndete. Den Strafstoss verwertete Alex Frei souverän (68.).
Aus Sicht der "Bebbi" war nun der Bann gebrochen, bis zu diesem Zeitpunkt hatten sie die gefährlicheren Angriffe gezeigt, ohne jedoch daraus Profit zu ziehen. Zu ungenau waren die Abschlüsse gewesen. Das 1:0 wirkte dermassen befreiend, dass die Rot-Blauen im Finish drei Tore nachlegten. Streller und Marcos Gelabert trafen per Kopf nach Flanken von Valentin Stocker beziehungsweise Frei, ehe Behrang Safari praktisch mit dem Abpfiff reüssierte.
Auf der anderen Seite enttäuschte die viel gepriesene YB-Offensive. Es mangelte an Durchsetzungsvermögen. Die Basler hatten zuletzt in der Axpo Super League fünfmal in Serie gegen YB verloren, nun schlugen sie in eindrucksvoller Manier zurück. Ihre Fans sangen: "YB isch nervös, YB isch nervös." Die Aufholjagd ist lanciert.
Jene Person, die im Vorfeld des Spiels für am meisten Gesprächsstoff gesorgt hatte, griff nicht ins Geschehen ein. YB-Mittelfeldregisseur Gilles Yapi fehlte im Aufgebot seiner Mannschaft, er hat im Abschlusstraining offenbar eine Verletzung erlitten. Der Ivorer machte Schlagzeilen, weil er im Sommer Bern verlassen will und ausgerechnet mit dem FC Basel in Verhandlungen stehen soll.
Yakin-Doublette gegen GC
Luzern festigte dank des 4:2 gegen GC den 3. Rang und vergrösserte den Vorsprung auf einen Nicht-Europacup-Platz auf sechs Punkte. Beim vierten Heimsieg in Folge ragten auf dem tiefen Terrain die Offensivkräfte Hakan Yakin, Davide Chiumiento und Cristian Ianu heraus. Yakin erzielte zwei Tore und leistete einen Assist.
Der FCL kam mit den schwierigen Bedingungen im Gersag-Stadion, wo noch am Donnerstag 20 cm Schnee gelegen hatten, besser zurecht. Allerdings brauchten die Innerschweizer auch Glück. In der 58. Minute traf Afonso für GC beim Stande von 3:1 zweimal nur den Pfosten, kurz darauf entschied Hakan Yakin die Partie mit seinem zweiten Tor und nach einer Unkonzentriertheit in der GC-Abwehr.
Die Grasshoppers brachten sich mit drei Abwehrfehlern um ein besseres Resultat. Beim 1:2 offenbarte Menezes Defizite im Stellungsspiel, beim dritten Gegentor liess Guillermo Vallori Hakan Yakin, der den Pfosten traf, ziehen, und beim 1:4 hoben Boris Smiljanic und Kay Voser das Offside auf und begünstigten den Torschuss des ungedeckten Yakin. Die erste Niederlage nach drei Siegen zum Abschluss der Vorrunde liess sich so nicht verhindern.
Tor, Tor, Tor: Aaraus unbekannte Seite
Als hätte es die fürchterliche Vorrunde nie gegeben, stürmte Aarau beim 6:3 gegen Bellinzona von Beginn weg ohne Komplexe los. Schon nach vier Minuten konnte Verteidiger Giuseppe Aquaro nach einem Pass von Sandro Burki zum 1:0 einschieben. Für ihn war es wie für die nachfolgenden Aarauer Torschützen Steve Lang (4:2), Sergio Bastida (5:2) und Orhan Mustafi (6:2) der erste Saisontreffer. Die weiteren Tore schossen Stoll (2:1) und Bengondo (3:2).
Am Ende hatte Aarau also sechs Tore erzielt: mehr als die Hälfte der Anzahl Treffer der gesamten Vorrunde -- und so viele wie seit sieben Jahren nicht mehr in der Meisterschaft. Im Frühjahr 2003, damals noch in der Auf-/Abstiegsrunde, hatte Aarau ein Spiel in Vaduz 6:3 gewonnen.
Bellinzona schaffte durch Edusei und Lima zweimal den Ausgleich, doch dann kassierten die Tessiner zwischen der 36. und 46. Minute drei Gegentore zum 2:5-Zwischenresultat. Im Herbst hatte Bellinzona in Aarau noch 2:1 gewonnen; seither resultierten in sechs Partien fünf Niederlagen -- und 29 Gegentore.
FCZ verschob seine Aufholjagd
13:1 für den FCZ lautete das Chancenverhältnis am Ende eines einseitigen Spiels, doch Xamax holte mit seiner Defensiv-Strategie das angestrebte 0:0. Durch das Remis fiel der FCZ in der Tabelle auf den 8. Platz zurück und musste seine Aufholjagd in Richtung Europacup-Plätze verschieben.
Der FCZ scheiterte immer wieder am starken Xamax-Goalie Luca Ferro, der zahlreiche Möglichkeiten zunichte machte. Zudem beklagte insbesondere der einzige nominelle Stürmer, Admir Mehmedi, grosses Abschlusspech. In der 60. und 61. Minute sah das FCZ-Talent zwei Möglichkeiten innerhalb von 60 Sekunden ans Aluminum prallen. Ausserdem verpasste der junge Angreifer mit zwei Kopfbällen (24./42.) die Führung nur ganz knapp.
Forte siegte erstmals gegen Sion
Im vierten Anlauf unter Uli Forte bezwang St. Gallen den FC Sion erstmals. Die vom Trainer postulierte Vorwärtsstrategie für die Rückrunde befolgte seine Mannschaft mit einem Startfurioso. Zielstrebig und aggressiv spielten die Ostschweizer nach vorne und wurden durch das frühe Führungstor von Fabian Frei (9.) belohnt, der nach einem Abpraller voll durchzog und sein zweites Saisontor bewerkstelligte.
Sion verzeichnete in der ganzen Partie keine einzige Torchance. Es fehlten vor allem Zusammenhang und Inspiration. "Wenn man keine Duelle gewinnt, kann man nicht siegen. Deshalb hat die richtige Mannschaft die drei Punkte geholt", meinte ein tief enttäuschter Sion-Trainer Didier Tholot.