11.03.2010
Der Hamburger SV schlägt Anderlecht im Hinspiel

Ruud van Nistelrooy feiert das 2:0
Die nächsten Woche wird für den Hamburger SV in Sachen Saisonverlauf entscheidend sein. Im Achtelfinal-Hinspiel gegen den RSC Anderlecht in der Europa League legten sie einen hoffnungsvollen Auftakt hin. sportal.de sah dabei ein Spiel, indem die Gäste aus Belgien den Hamburgern fast alles abverlangten.
Die Hanseaten setzten sich letztendlich mit 3:1 (2:1) durch. Joris Mathijsen (23. Minute), Ruud van Nistelrooy (40.) und David Jarolim (76.) trafen für den HSV, der Gegentreffer ging auf das Konto von Jonathan Legear (45.).
Der Gegenwind nimmt zu. Bruno Labbadia braucht Ergebnisse, um die aufkommenden kritischen Worte (Aufstellung, Taktik und Training) im Team und im Umfeld so schnell wie möglich verstummen zu lassen. Und deshalb setzte Labbadia vor dem ersten Duell mit den Belgiern ein Zeichen, bot Van Nistelrooy erstmals von Anfang an auf.
Neben dem Niederländer spielte Mladen Petric, unterstützt wurden die beiden auf den Aussenbahnen von Marcell Jansen und Eljero Elia. In der Abwehr musste Labbadia auf der rechten Seite umbauen. Guy Demel brummte eine Gelb-Rot-Sperre ab, seine Position übernahm Tomas Rincon.
Wie erwartet wählte RSC-Coach Ariel Jacobs die kompaktere Aufstellung. Vorne stand einzig allein das 16-jährige Wunderkind Romelo Lukaku, hinter ihm ein sehr dichtes Mittelfeld mit drei Spielern vor der Abwehr. Man war also auf Konter aus. Und schon nach fünf Minuten setzte man den Plan um. Nach einem Abspielfehler der Hamburger im Mittelfeld spielte man schnell in die Spitze. Lukaku schüttelte Gegenspieler Mathijsen im Sprint problemlos ab, doch sein Linksschuss aus rund 20 Metern war für Frank Rost kein Problem.
Mathijsen eiskalt
Fortan wurde klar, das Anderlecht der erwartet schwere Gegner war, und eine Spielweise an den Tag legte, die dem HSV in dieser Saison gar nicht liegt. Zwar kontrollierte man der Anfangsphase grösstenteils das Spiel, doch gegen eine massiv und gut organisierte Deckung fanden die Hamburger zunächst kein Mittel. Zudem setzten die Belgier immer wieder kleine Nadelstiche, waren oft ein Schritt schneller und spielten sofort schnell und direkt nach vorne. Dennoch waren echte Chancen in der Anfangsviertelstunde Mangelware.
Die erste und beste Gelegenheit nutzte dann ausgerechnet ein Abwehrspieler eiskalt. Ein Fernschuss mutierte in der 23. Minute zu einer Flipperkugel, prallte von Belgier zu Belgier zum völlig freistehenden Mathijsen, der dann mit seinem schwachen rechten Fuss das 1:0 erzielte.
Schaffte es der HSV, den Ball mal schnell laufen zu lassen, wurde es gleich gefährlich. Eine Direktabnahme von Pedric nach Zuspiel von Jansen landete in der 35. Minute ans Aussennetz. Trotz des Rückstands fielen die Gäste fortan spieltechnisch nicht ab. Vor allem wenn sie es um den agilen Brasilianer Kanu schafften, in den Strafraum der Hamburger zu kommen, wurde es gefährlich. Die Innenverteidigung um Mathijsen und David Rozehnal offenbarte oft Schwächen im Stellungsspiel. In der 37. Minute bekam jener Kanu sogar zwei Schusschancen im Strafraum hintereinander.
Freund und Leid
Was machte eigentlich der Hoffnungsträger bis zu diesem Zeitpunkt? Van Nistelrooy wurde von seinen Mitspielern zwar oft gesucht, doch fehlte es natürlich noch an der Spritzigkeit und am Durchsetzungsvermögen. Für den Strafraum sollte es aber reichen. Nach einem Zuspiel von Elia erzielte er aus kurzer Distanz und spitzem Winkel das so wichtige 2:0. Eine Szene aus der 40. Minute, die seine Extra-Klasse mal wieder unter Beweis stellte. Doch mitten im Freudentaumel folgte der Rückschlag. Mit einem herrlich getretenen Freistoss in den Winkel aus rund 28 Metern verkürzte Jonathan Legear in der letzten Minute der ersten Halbzeit noch auf 1:2.
Unverändert gingen die Mannschaften vor den Augen des verlorenen Sohns Paulo Guerrero die zweite Halbzeit an. Der Peruaner mit der viel zitierten Flugangst sah dann aber einen eher langweiligen Auftakt für den zweiten Durchgang. Einzig positiv im Spiel der Hamburger war, dass man in den hinteren Reihen nun sicherer stand. Nach vorne ging aber nicht mehr viel, die Zuschauer im weiten Rund wurden unzufrieden. Erste Pfiffe waren zu hören.
Petric störte es nicht, feuerte aus 30 Metern einen Gewaltschuss ab. Silvio Proto konnte die Fäuste gerade noch hochreissen. Die Fäuste brauchte auch sein Konkurrent auf der anderen Seite um den wuchtigen Schuss des Argentiniers Lucas Biglia abzuwehren. Plötzlich war wieder Feuer im Spiel.
Schusswunder David Jarolim
Und ausgerechnet der "harmloseste Hamburger" sorgte dann für das beruhigende 3:1. Ein Flanke von Thomas Rincon kann der RSC-Profi Guillaume Gillet nicht energisch aus der Gefahrenzone klären und so legte er unfreiwillig für David Jarolim, der dann alles was er hatte in sein Schuss aus 20 Metern legte.
Jarolims Kollege Jansen hätte danach alles klar machen müssen. Doch statt den Ball konsequent an den herausstürzenden Proto vorbei zu schieben, versuchte er es mit einem Lupfer. Diese Nachlässigkeit hätte sich fast gerächt. Denn auf der anderen Seite hatte Legear in der 85. und 86. Spielminute gleich mal zwei hervorragende Einschussgelegenheiten. Es brannte wieder lichterloh im Strafraum der Hausherren und als der französische Schiedsrichter Laurent Duhamel endlich abpfiff, war den HSV-Profis die Erleichterung in den Gesichtern förmlich anzusehen.
Tom Broocks