15.03.2010
Hertha BSC plant für die zweite Liga

Michael Preetz ist nun gefordert
Der Schock bei Hertha BSC nach dem Desaster gegen Nürnberg und den anschliessenden Ausschreitungen sitzt noch tief, und doch können die Berliner die Augen vor der womöglich tristen Zukunft nicht verschliessen. Zumindest das Ziel im Falle eines Abstiegs ist bereits formuliert.
Der Traditionsclub würde mit der Vorgabe "sofortiger Wiederaufstieg" in die neue Zweitliga-Saison gehen. "Das ist unsere Verpflichtung. Wir werden bis Mitte April ein schlüssiges Konzept für die 2. Liga vorlegen", kündigte Präsident Werner Gegenbauer an. Im Mittelpunkt wird bei geschätzten 35 Millionen Euro Verbindlichkeiten der finanzielle Rahmen stehen, mit dem der Absturz in der laufenden Spielzeit wieder korrigiert werden soll.
Der Verein werde es schaffen, für die kommende Saison eine wettbewerbsfähige Mannschaft und ein wettbewerbsfähiges Umfeld aufzustellen, versprach Gegenbauer nach einem turbulenten Wochenende in der Sendung rbb-Sportplatz.
Top-Verdiener wären nicht mehr bezahlbar
Die Etat-Planung von rund 70 Millionen Euro muss deutlich reduziert werden; mit rund 40 Millionen Euro könnte die erste Unterhaus-Spielzeit nach 13 Jahren Bundesliga angegangen werden.
Die Personalkosten dürften von 30 Millionen auf 18 Millionen Euro zusammen gestrichen werden. Zwar könnte Hertha bei allen Spieler-Verträgen, die über die aktuelle Saison hinauslaufen, eine Option für die 2. Liga ziehen. Doch nur bei wenigen Profis wird der Verein davon Gebrauch machen. Leihspieler wie Florian Kringe, Roman Hubnik, Cicero und Theofanis Gekas kehren zu ihren Clubs zurück; die Verträge von Torwart Jaroslav Drobny und Steve von Bergen laufen ohnehin aus.
Dass der Zweitliga-Absturz, der angesichts von acht Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz 16 und sogar neun Zählern auf den rettenden 15, Platz nur noch durch ein Wunder abzuwenden ist, Hertha in den Ruin treiben könnte, wies der für die Finanzen zuständige Geschäftsführer Ingo Schiller im kicker zurück: "Ich kann ausschliessen, dass der Abstieg die Existenz des Vereins gefährden würde."
Top-Verdiener wie Kapitän Arne Friedrich und Raffael oder ein bei anderen Vereinen begehrte Nationalspieler wie Gojko Kacar sind jedoch zu den laufenden Konditionen nicht mehr bezahlbar. "Ich mache mir keine Sorgen, aber natürlich Gedanken", sagte Clubchef Gegenbauer.
Trainerfrage muss Preetz beantworten
Wer als Trainer die Alte Dame nach dem fünften Bundesliga-Abstieg sofort zurück ins Oberhaus führen soll, muss schon in kurzer Zeit Manager Michael Preetz entscheiden. "Es ist seine Aufgabe zu bestimmen, mit wem er arbeitet", betonte Gegenbauer.
Friedhelm Funkel, dessen Mission in Berlin acht Spieltage vor Saisonschluss gescheitert scheint, will seinen Vertrag bis zum Saisonende erfüllen: "Ich werde nicht aufgeben." Will Preetz schon jetzt direkt mit einem neuen Chefcoach die Zweitliga-Planungen vorantreiben, bleiben zwei Möglichkeiten: Hertha holt den Neuen sofort oder der Club setzt noch einmal auf eine Interimslösung etwa mit Amateurcoach Karsten Heine.
Preetz selbst, der in seinem ersten Jahr als Manager mitverantwortlich für den Absturz ist, hat von Gegenbauer eine Job-Garantie bekommen und will seine zweite Chance auch wahrnehmen. Er sei als Präsident zuständig für die Besetzung der Geschäftsführung, betonte Gegenbauer. Preetz arbeitet als Geschäftsführer Sport, Schiller ist für die Finanzen zuständig. "Da gibt es überhaupt keine Änderung", erklärte der Clubchef.