07.02.2010
Vancouver wartet auf das ''weisse Gold''

Noch fehlt der Schnee in der Olympia-Stadt Vancouver
Fünf Tage vor Beginn der Olympischen Winterspiele herrscht in Vancouver die berühmte Ruhe vor dem Sturm. Zum Rendez-vous fehlt vor allem auch noch der Stargast: der Schnee.
Man könnte sich an diesem sonnigen Samstagnachmittag ebenso gut an der Via Condotti in Rom wähnen. Bei angenehmen Temperaturen von über zehn Grad haben an der Flaniermeile "Robson Street" Sonnenbrillen Hochkonjunktur, Miniröcke ebenso, vereinzelt tragen jüngere Damen sogar Tanktops.
Schnee Mangelware
Des Betrachters Freud ist des Wintersportfans und des Organisators Leid: Weniger als eine Woche vor Eröffnung des grössten Wintersportfestes wartet ganz Kanada sehnsüchtig auf das "weisse Gold". Schnee ist nicht nur in der sich am Meer befindlichen Olympiastadt Vancouver Mangelware, sondern auch in der höher gelegenen Station Cypress Mountain, wo Snowboarder, Skiakrobaten und Skicrosser auf Medaillenjagd gehen werden. Nach dem wärmsten Januar seit Beginn der Messungen haben die Organisatoren beschlossen, zwei Snowboard-Trainingstage zu streichen. Der Schnee wird auf zahllosen Lastwagen aus den umliegenden Regionen herangekarrt.
Besserung ist in den kommenden Tagen noch nicht angesagt, die Temperaturen sollen sich weiterhin in den gleichen Regionen bewegen. Erst auf Freitag, den Tag der Eröffnungsfeier, will dann Vancouver seinem Ruf als Regenstadt alle Ehre machen und einen der durchschnittlich 16,3 Regentage im Februar einschalten.
Pressezentrum noch verlassen
Ansonsten hat das Olympia-Fieber noch nicht flächendeckend Einzug gehalten: Das Main Press Center, temporäre Arbeitsstätte der schreibenden Journalistenzunft, war am Samstag noch verlassen wie selten, was einerseits auf den sonntäglichen US-Sporthit Nummer 1 "Super Bowl" zurückzuführen war, andererseits auf die Tendenz vieler Medienvertreter, aufgrund der Wirtschaftskrise einige Tage einsparen zu wollen.
Nichts zu spüren von Konjunkturkrise hingegen in den Merchandising-Läden. Im grossen Olympia-Superstore standen sich die Konsumenten schon frühmorgens buchstäblich auf den Füssen herum. Am begehrtesten sind natürlich alle Artikel der Gastgebernation, welche mit ihren sportbegeisterten Einwohnern dafür sorgen werden, dass die flauen letzten Winterspiele in Turin bald in keiner Erinnerung mehr präsent sein werden. Erstaunlich aber auch, dass erstmals die gesamte Kollektion des russischen (!) Olympiateams an bester Lage verkauft wird.
von Marco Keller (Si)