15.02.2010
Bertarelli: ''Können Niederlage akzeptieren''
Alinghi ist nicht mehr im Besitz des America's Cup. Das Schweizer Syndikat, das die älteste Trophäe der Welt 2003 und 2007 gewann, musste sich mit seinem Katamaran in der Best-of-Three-Serie vor Valencia gegen BMW Oracle (USA) 2:0 geschlagen geben.
Der amerikanische Herausforderer erreichte das Ziel 5:26 Minuten vor dem Titelverteidiger und bringt damit den "Auld Mug" nach 15 Jahren wieder in die USA. 1995 verlor Young America die Serie gegen das neuseeländische Boot Black Magic 0:5. Es ist erst das fünfte Mal in der 159-jährigen Geschichte des America's Cup, dass der Challenger sich durchsetzt. Letztmals gelang dies Alinghi 2003 gegen das Team New Zealand.
Nach dem Debakel vom Freitag, wo Alinghi mit über 15 Minuten Rückstand auf BMW Oracle die Ziellinie überquerte, war allgemein mit einer weiteren deutlichen Schlappe des Titelverteidigers gerechnet worden. "Wir können zwar in einer Nacht kein neues Segel konstruieren, doch wir haben einige Mittel, um Alinghi 5 besser zu konfigurieren", sagte Alinghi-Boss Ernesto Bertarelli noch am Samstag. In der Tat war das Schweizer Syndikat am Sonntag zu mehr Gegenwehr fähig, aber letztlich war das gigantische Flügelsegel von BMW Oracle die entscheidende Waffe in diesem America's-Cup-Duell.
Erneut ärgerliche Strafe
Stundenlang hatte Rennleiter Harold Bennett wegen zu flauen Windverhältnissen abgewartet. Um 16.25 Uhr -- nur fünf Minuten vor dem Ablauf des möglichen Zeitfensters -- gab er den Start frei. Mit Bertarelli am Steuer startete Alinghi ins zweite Rennen, das über einen 74 km langen Kurs in Form eines gleichschenkligen Dreiecks führte. Der Alinghi-Besitzer handelte sich aber wie bereits in der ersten Regatta eine Strafe ein. Dieses Mal hatte nicht der Gegner protestiert, sondern Alinghi selbst einen Fehler begangen. Der Schweizer Katamaran befand sich beim Signalton, der fünf Minuten vor dem Start ertönt, verbotenerweise noch in der Prestart-Zone, was mit einem Kreismanöver bestraft wird.
Trotz des frühen Handicaps und einem Start-Rückstand von 24 Sekunden kämpfte Alinghi beherzt gegen die Niederlage. Nach einer Viertelstunde überliess Bertarelli das Steuer dem Mehrrumpf-Profi Loïck Peyron (Fr). Just zu diesem Zeitpunkt übernahm Alinghi die Führung und baute den Vorsprung auf rund 400 Meter aus, was noch zu wenig war, um das Strafmanöver zu segeln und in Führung bleiben zu können.
Entscheidung kurz vor der Wende-Marke
Die Entscheidung in dieser Wettfahrt fiel kurz vor der ersten Wende-Marke. Oracle-Steuermann James Spithill (Au) taktierte hervorragend und brachte seinen Trimaran in eine ausgezeichnete Ausgangsposition. Ohne Zusatzmanöver konnte er die Boje passieren und die gesamte Geschwindigkeit mitnehmen. Beim zweiten Wendepunkt war der Vorsprung der Amerikaner bereits auf über zwei Minuten angewachsen.
Besitzer Larry Ellison und CEO Russell Coutts waren während der ganzen Wettfahrt an Bord und konnten hautnah miterleben, wie ihr Hightech-Boot mit seinem gigantischen Flügelsegel dem Gegner davonzog. Neben der sportlichen Genugtuung konnte der frühere Alinghi-Skipper Coutts seine Ungeschlagenheit im America's Cup wahren. Der Neuseeländer hat sämtliche 15 Regatten gewonnen, bei denen er an Bord war.
''Gratulation an BMW Oracle''
Larry Ellison (Teambesitzer BMW Oracle): "Ich bin so stolz auf dieses Team und ein Teil davon zu sein. Es ist fantastisch und ein unbeschreibliches Gefühl, diesen Cup nach einer solch langen Zeit in die USA zurückzubringen."
Ernesto Bertarelli (Teambesitzer Alinghi): "Gratulation an BMW Oracle. Ihr Boot war schneller. BMW Oracle hatte auch neben dem Wasser eine Strategie. Sie erhielten ein wenig Rechtsbeistand aus New York. Dies macht es für uns Europäer immer schwierig, während die Amerikaner daraus ihre Vorteile zogen. Auf dem Wasser war unser Boot zu wenig schnell. Doch wir kämpften als Team so hart wir konnten. Deshalb können wir diese Niederlage mit erhobenem Haupt akzeptieren."
von Muriel Muino-Fiechter (Si)