Täglich beschäftigen sich irgendwo in der Schweiz Jungs - und manchmal auch Mädchen - mit Streethockey. Meist auf Quartier- oder Garagenvorplätzen jagen sie mit zum Teil selbst gebastelten Ausrüstungen und Hockeystöcken dem Ball nach. Obwohl praktisch jeder und jede schon einmal Streethockey gespielt hat, ist diese Trendsportart noch wenig bekannt. Was in Hinterhöfen seinen Ursprung fand, wird jedoch heute national sowie international als Leistungssport betrieben.
Regelrechter Boom
Der Hockeysport kennt viele Unterarten. Im Sog des auf professioneller Ebene betriebenen Eishockeysports entwickelten sich im Laufe des vergangenen Jahrhunderts zahlreiche Varianten. Traditionellere wie Land-, Hallen- oder Rollhockey sind den meisten ein Begriff, wenn auch die Medienpräsenz dafür hierzulande relativ bescheiden ist. Modernere Varianten wie Inline- oder Unihockey erlebten in den letzten Jahrzehnten einen regelrechten Boom. Letzteres hat sich sogar vom Rand- zum Breitensport entwickelt und ist kaum mehr aus dem Schulsport wegzudenken.
Zu Fuss mit Eishockeystock
Im Schatten des grossen Hockeyangebotes hat sich eine weitere Art entwickelt. Streethockey ist vielen als offizielle Sportart noch unbekannt, dies obwohl praktisch jeder schon mal Streethockey gespielt hat. Auf Schulhausplätzen und Hinterhöfen wird täglich und schweizweit Streethockey gespielt: zu Fuss, mit Eishockeystöcken gewappnet, dem Ball nachjagend, Tore bejubelnd.
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Oft wird improvisiert, im Bezug auf Tore, Ausrüstung und Spielfelder und doch werden ganze Quartiermeisterschaften auf diese Weise ausgetragen.
Weltweit verbreitet
1972 wurde in den USA der erste Streethockeyverband aus der Taufe gehoben. Nur wenige Jahre später wurden in Kanada die ersten regionalen Verbände gegründet. In Europa wurde zu dieser Zeit noch in Hinterhöfen gespeilt, Quartier gegen Quartier, manchmal auch Dorf gegen Dorf. Erst gegen Ende der 80er Jahre entstanden auch in Europa nationale Verbände. 1990 wurde die Swiss Streethockey Association (SSHA) gegründet und eine landesweite Meisterschaft geschaffen, welche die beiden damaligen Hocburgen im Raum Biel und im Raum Zug einschloss. Heute bilden 1600 lizenzierte Spieler und 32 Vereine den Schweizer Streethockey-Zirkus. Bestandteile sind vier Herrenligen, eine Senioren-, eine Damenliga und zahlreiche Juniorenligen in verschiedenen Altersklassen. International fand eine ähnliche Entwicklung statt.
Wie im Eishockey: Unterschiedliche Spielfeldgrösse
Der grösste Unterschied zwischen dem Streethockey in Nordamerika und dem in Europa liegt in der Spielfeldgrösse. Während in der Schweiz mit vier Feldspielern auf Kleinfeldern agiert wird, spielen auf internationalem Parkett fünf Feldspieler auf dem Grossfeld. Dies ist mit ein Grund, weshalb sich bisher schweizerische Erfolge an Welt- und Europameisterschaften in Grenzen hielten. Immerhin, die U18 wurde 2002 und 2007 Vize-Europameister. Die Weltnummer 1 ist Kanada, gefolgt von Tschechien, der Slowakei und den USA.
Dem Internationalen Verband (ISBHF) ebenfalls angeschlossen sind traditionelle Hockeynationen wie Finnland, Lettland, Österreich oder Deutschland. Mit Ländern wie Pakistan, Bermuda oder Hongkong sind aber auch zahlreiche Exoten dem 35 Mitglieder umfassenden Weltverband angeschlossen.
Wachsende Popularität
Die Nationalliga A umfasst zehn Mannschaften, die mittels Qualifikation und Playoffs den Schweizer Meister ermitteln. Dreifacher Titelhalter und erfolgreichster Verein der jüngsten Zeit sind die Oberwil Rebells aus Zug. Grenchen und die Sierre Lions (Cupsieger 08) zählen zu den weiteren Topmannschaften, die in den letzten zehn Jahren für Furore sorgten und sämtliche Titel unter sich aufteilten.
Aegerten-Biel, Martigny, Belp, Bonstetten-Wettswil, Kernenried, Bettlach und Lenzburg sind die weiteren Vertreter in der höchsten Liga. Popularität und Ansehen der Sportart sind zuletzt gewachsen, was sich in steigenden Zuschauerzahlen widerspiegelt. 2002 hat die Swiss Olympic Association die SSHA in ihre Reihen aufgenommen. Zudem ist Streethockey eine anerkannte J+S-Sportart.
Vom Tennisball zum Fiselball
Die Streethockeyszene in der Schweiz befindet sich im Umbruch. Stetiges Wachstum ruft den Wunsch nach internationalem Anschluss hervor. Geplant ist, dass auch in der Schweiz in der höchsten Liga mittelfristg auf grossen Feldern gespielt wird. Der Bau der entsprechenden Infrastruktur ist jedoch angesichts der zum Teil aufwendigen Bewilligungsverfahren nicht immer einfach.
Längst wurde der Tennisball ersetzt durch einen roten halbharten Plastikball (Fiselball) und zur vorgeschriebenen Ausrüstung gehören unter anderem Hockeyhandschuhe und Helm. Der Torhüter ist gut geschützt wie im Eishockey und auch das Regelwerk ist bis auf ein paar Ausnahmen identisch mit jenem des ''grossen Bruders''.