Die Schweiz (r.) auf dem Weg zum Medaillengewinn an der Heim-WM.
Schnelle Kombinationen, packende Zweikämpfe, knallharte Schüsse. Rollhockey ist eine technische Version des Eishockeys. Was viele nicht wissen: Die Schweiz ist Vizeweltmeister - für sportal.ch Grund genug, um die Sportart zu porträtieren...
Spass, das ist der Faktor, welcher die Schweizer Rollhockeyszene dominiert. Hierzulande wird diese technisch höchst anspruchsvolle Sportart nicht professionell betrieben, man frönt neben der Arbeitszeit einem zeitaufwendigen Hobby. Doch mit den überraschenden Silbermedaillen an der EM 2006 in Monza (I) und an der WM 2007 in Montreux hat sich einiges geändert.
Aufwind dank starkem Nachwuchs
An den Titelkämpfen setzten sich die Eidgenossen gegen Profinationen wie Italien, Portugal oder Argentinien durch und setzten ein grosses Ausrufezeichen. Diese Erfolge zeichneten sich ab, im 2005 gelang den U20-Junioren bereits ein Medaillengewinn. Sofort in die Herren-Nati integriert, steuerten die jungen Kräfte einen massgeblichen Teil zu diesen Exploits bei. Auch in der nationalen Meisterschaft ist eine Wachablösung im Gange, die junge Garde drängt sich langsam ins Rampenlicht.
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Genf und Thun an der Spitze
Vergangene Saison kämpften der RHC Genève und der SC Thunerstern sowohl in der Meisterschaft wie auch im Cup um den Titel, am Ende setzten sich die Romands jeweils durch. Mit Diessbach, Wimmis, Uttigen, Biasca, Montreux und Uri streiten weitere Mannschaften um die Teilnahme an der Finalrunde, welche nach der Qualifikation die besten sechs Teams bestreiten. Ein Novum ist die Teilnahme des RSV Weil am Rhein aus Süddeutschland. Lange Jahre spielten die Weiler in der deutschen Bundesliga, wurden aber jetzt auf Grund der geografischen Distanz zum Ruhrpott, wo die restlichen Bundesliga-Teams zu Hause sind, in der Schweiz aufgenommen. Die Weiler drängen sich immer mehr an die Spitze und gelten in dieser Saison als Titelkandidat.
Kanton Bern und Westschweiz als Ballungsgebiete
Eine klare Vormachtstellung im Schweizer Rollhockey geniesst der Kanton Bern. Zahlreiche Vereine stammen aus dieser Region, alljährlich wird sogar ein Kantonal-Cup ausgetragen. Mit einem weiteren Zentrum in der Westschweiz, wo total vier Vereine zu Hause sind, spielen auch die Romands eine gewichtige Rolle. Zwischen diesen Regionen gibt es gerade bezüglich der Spielweise kleinere Unterschiede, die Westschweizer setzen deutlich mehr auf technische und rollschuhläuferische Qualitäten, Kombinationsspiel ist Trumpf. Die Berner Vereine sind dafür die besseren Kämpfer.
Sicherer als Eishockey
Rollhockey wird auf den traditionellen Rollschuhen, welche je zwei Rollen nebeneinander haben, gespielt. Ohne Helm und Brustpanzer, einzig mit Schienbein- und Knieschonern sowie Handschuhen ausgerüstet, treten die Spieler gegeneinander an. Da aber die Rollschuhen mehr Stabilität garantieren als Inline-Skates und Körperkontakt grundsätzlich nicht erlaubt ist, ist die Verletzungsgefahr viel geringer als zum Beispiel beim Eis- oder Inline-Hockey. Neu ist in der Juniorenliga in Italien ein Helm Pflicht und auch in der Schweiz dürfen die Kids einen Helm zum Schutz des Kopfes tragen.
Rollhockey als Hallen- wie auch Aussensport
Die Standardgrösse eines Rollhockeyspielfeldes beträgt 20x40 Meter. Rollhockey wird oft auf Parkettboden, teils aber auch auf speziellen Kunststoffbelägen in Hallen gespielt. Kleinere Vereine spielen aber noch auf Beton und Outdoor. Da gibt es aufgrund Schneefalls oder heftigem Regen auch denkwürdige Partien, die den betroffenen so schnell nicht vergessen gehen. Die Banden sind ähnlich deren des Eishockeys. Bei den Erwachsenen dauert die reguläre Spielzeit 2x25 Minuten gestoppt, je nach Alterskategorie auch weniger.
Die Systeme
Zu Beginn wurde oftmals das Viereck, eine Zonendeckung, gespielt. Dazu gibt es eine Abänderung in der Form eines Rhombus. Noch heute erlernen die jüngsten Junioren erst diese Spielweise. Bei den starken Nationen wird in den obersten Ligen die Manndeckung praktiziert, wobei diese gute rollschuhläuferische Qualitäten aller Spieler verlangt. Die Manndeckung kann mittels Pressing über das ganze Spielfeld ausgeübt werden oder klein in der eigenen Hälfte.
Wie populär ist Rollhockey?
Rollhockey erlebte in den früheren 90er Jahren einen klaren Aufschwung, es stand 1992 sogar in Barcelona an den Olympischen Spielen im Programm. Es folgte ein Rückgang, viele Vereine konnten aufgrund des aufkommenden Inline- und Unihockeybooms nicht überleben. In den führenden Nationen Spanien, Portugal, Italien und Argentinien besitzt Rollhockey aber weiterhin einen sehr hohen Stellenwert, Namen wie Gil, Páez, Borregán oder Silva sind ähnlich bekannt wie jene der Fussballstars. Seit dem Medaillengewinn an der Heim-WM 07 erlebt Rollhockey in der Schweiz eine Art Wiedergeburt. Mit dem Schweizer Sportfernsehen und der Internetplattform rh-news.com geniesst die Sportart auch zunehmend an Präsenz in den Medien.