04.07.2009
Wer wird zum König der Tour?

Fabian Cancellara zeigt wohin er will: aufs Podest und zwar in Gelb gekleidet.
Das Rennen aller Rennen steht vor der Türe. Die Tour de France, oder ''Le Tour'' wie sie bei den Franzosen heisst, ist mit Abstand das grösste und wichtigste Radrennen der Welt. Kein anderer Titel verhilft zu mehr Ruhm und Ehre, kein anderer Sieg wird von den Medien stärker wahrgenommen, kein gelbes Trikot ist wertvoller. Die Teilnahme an der Tour de France ist für jeden Radsportler das grosse Ziel, denn Jahr für Jahr starten jeweils die allerbesten ihres Könnens zur ''Grande Boucle''.
Auch 2009 kommt es zum grossen Kräftemessen der klingenden Namen des Radsports. Auf den spanischen Titelverteidiger Carlos Sastre wartet jede Menge Arbeit, möchte er seinen Titel erfolgreich verteidigen.
Kein lockeres Einrollen in der ersten Woche
Der Startschuss der Tour fällt am Samstag mit einem Auftaktszeitfahren in Monaco. Auf die 180 Rennfahrer warten 15,5 bergige Kilometer rund um das. Die Tourfavoriten sind bereits am ersten Tag gefordert, wollen sie nicht wertvolle Zeit verlieren. Durch den Süden Frankreichs geht es dann bis nach Montpellier, wo bereits bei der 4. Etappe der erste grosse Härtetest ansteht. Das Mannschaftszeitfahren wird die ersten grösseren Abstände ins Klassement bringen.
Nach zwei weiteren Flachetappen und allfälligen Massensprints folgt der Abstecher in die katalanische Metropole Barcelona. Von nun an gilt es ernst für die Bergfahrer. Auf der 7. Etappe kommt es zur Bergankunft in Andorra Arcalis und am neunten Tag muss das Peloton den legendären Col de Tourmalet überqueren. Nach einem Transfer und dem ersten Ruhetag folgt die Durchquerung Frankreichs von Limoges bis nach Colmar im Elsass.
Verbier mit Bergankunft und Ruhetag
Zum Ende der zweiten Woche kommt der Tourtross in die Schweiz. Von Pontarlier führt die Strecke über die Schweizer Grenze und weiter nach Yverdon, Moudon und Bulle. Mit dem Colle des Mosse wartet das erste grosse Hindernis bei der mittelschweren Bergetappe. Die Entscheidung fällt im Schlussaufstieg nach Verbier im Wallis.
Nach dem Ruhetag in Verbier folgt die Woche der Entscheidung. Nicht weniger als drei Bergetappen durch die Alpen und ein Zeitfahren in Annecy werden für eine Vorentscheidung um das Maillot Jaune sorgen. Doch die Streckenwahl verspricht Spannung bis zum zweitletzten Tag, denn es wartet noch die Bergankunft am kahlen und windigen Mont Ventoux.
Wer stoppt die Astana-Armada?
Das Rennen um den Tour-Sieg in diesem Jahr präsentiert sich sehr offen. Favorit Nummer 1 ist der Spanier Alberto Contador. Doch der Sieger der Tour 2007 muss zuerst in seinem Team Astana die Leaderposition festigen, denn mit Lance Armstrong, Levi Leipheimer und Andreas Klöden stehen gleich drei weitere potentielle Podiumskandidaten im Astana-Aufgebot. Natürlich gehört Vorjahressieger Carlos Sastre eben so zu den Siegesanwärtern, wie der Australier Cadel Evans und die beiden Gebrüder Schleck. Auch der Sieger des Giro, der Russe Denis Menchov, hofft auf einen Platz auf dem Podium nach drei Wochen in Paris.
Kleine Schweizer Delegation
Die Schweiz muss wie in den vergangenen Jahren an der Tour de France kleine Brötchen backen. In diesem Jahr sind nur gerade drei Eidgenossen im Einsatz bei der grossen Schleife. Neben dem grossen Favorit für das Auftaktszeitfahren, Fabian Cancellara, steht noch der Zuger Gregory Rast und der Berner David Loosli auf der Startrampe in Monte Carlo.
Neben den zwei ProTour-Teams hat die ASO, die Organisatorin der Tour, noch zwei Wildcards verteilt. Dabei ist das in der Schweiz lizenzierte Cervélo Test Team mit Carlos Sastre an der Spitze berücksichtigt worden. Mit dem sportlichen Leiter Marcello Albasini wird ein weiterer Schweizer an der Frankreichrundfahrt dabei sein.
Cancellara in Gelb?
Aus Schweizer Sicht darf man mit viel Hoffnung auf den Auftakt blicken. Wenn Fabian Cancellara sich ein Ziel setzt, dann wird dies meist in die Realität umgesetzt. Gut möglich, dass der Berner am Samstag als erster Leader vom Podest grüssen wird. Nach seinen Erfolgen an der Tour de Suisse und der Schweizermeisterschaft in Nyon bleiben keine Zweifel über den ausgezeichneten Formzustand des Olympiasiegers.
Das Rennen um den Gesamtsieg ist offen. Gespannt erwartet man den Auftritt des siebenfachen Toursieger Lance Armstrong. Die Favoritenkonstellation verspricht viel Spannung auf den total 3459.5 Kilometern von Monaco bis nach Paris. Bleibt zu hoffen, dass in diesem Jahr die ''Helden der Landstrasse'' für grosse Schlagzeilen sorgen werden und dass die Tour de France in diesem Jahr von weiteren Dopingskandalen verschont bleibt. ''Vive le cyclisme, vive le Tour.''
Von Christian Rocha