Nur ein Sieg gegen den selber schon qualifizierten Andy Murray bringt Roger Federer in den Masters-Halbfinal. Die Aufgabe wird allerdings sehr schwer, Murray ist der heisseste Spieler der letzten Monate.
Die positive Nachricht aus Schweizer Sicht zuerst: Aus dem Umfeld Federers verlautete, dass der Titelverteidiger gestern trainieren konnte. Zudem konnte er genug schlafen und einigermassen normal essen, weshalb er sich viel erholter fühlte als zuletzt.
Ein guter Gesundheitszustand ist heute auch unabdingbar. Die Aufgabe gegen Andy Murray wird schwierig genug. Der Schotte ist der Mann der letzten Monate, hat 27 der letzten 30 Partien für sich entschieden, die Titel in Cincinnati, Madrid und St. Petersburg gewonnen und seinen ersten Grand-Slam-Final erreicht. Verloren hat er seit Ende Juli nur dreimal: In der 1. Runde der Olympischen Spiele gegen den Taiwanesen Yen-Hsun Lu (ATP 77), im US-Open-Endspiel gegen Roger Federer und im Viertelfinal von Paris-Bercy gegen David Nalbandian.
Murray hat mit diesen Erfolgen aus dem Trio an der Weltranglisten-Spitze ein Quartett gemacht und viele Kritiker zum Verstummen gebracht. Noch Anfang Jahr war die unerbittliche britische Presse mit ihrem potenziellen Superstar hart ins Gericht gegangen. Allerdings trug der hochbegabte 21-Jährige damals einiges dazu bei, verlor er doch immer wieder unnötig zuerst die Nerven und dann auch Partien.
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Seit er nach Abschnitten mit Brad Gilbert und Alex Corretja (für die Sandsaison) nun auf die Dienste von Miles MacLagan vertraut, einem ehemaligen britischen Profi, ist es rasant aufwärts gegangen. Murray hat seit letztem Winter vor allem auch die physische Arbeit intensiviert und seither seine Aussetzer massiv reduziert. Der erste Wendepunkt war für ihn der Achtelfinal in Wimbledon, als er gegen Richard Gasquet noch siegte, nachdem der Franzose im dritten Satz nur ein Servicegame vom Sieg entfernt gewesen war. Grössere Bedeutung misst Murray aber einem anderen Match bei: "Als ich im Final von Cincinnati Novak Djokovic geschlagen habe, gegen den ich vorher eine schlechte Bilanz hatte, wusste ich, dass ich die Grossen auch in wichtigen Momenten schlagen kann."
Grösste Chancen am US Open
Das ganze Vereinigte Königreich lechzt nun nach zu vielen Jahrzehnten der Abstinenz wieder nach einem einheimischen Grand-Slam-Sieger. Natürlich wäre es am Schönsten, wenn dieses Ereignis ausgerechnet auf den grünen Plätzen, welche die Tennis-Welt bedeuten, eintreten würde. Murray dämpft aber diese Erwartungshaltung bezüglich Wimbledon: "Das wäre natürlich sensationell, aber realistischer ist ein Titel beim US Open. Ich glaube, dass ich da von der Spielanlage die grössten Chancen habe."
Nun möchte Murray zuerst aber noch das Jahr im grossen Stil abschliessen, nach Möglichkeit mit seinem bisher grössten Titel. Der heutigen Partie gegen Federer kann er gelassen entgegensehen: "Roger ist natürlich klar mehr unter Druck als ich. Es ist das erste Mal, dass ich gegen ihn nicht unter Druck bin, ich möchte diese Partie aber natürlich gerne gewinnen."