Falls sich Roger Federer am Masters gegen Andy Murray durchsetzen sollte, würde die Aufgabe nicht einfach. Sein nächster Gegner wäre Nikolai Dawydenko, der durch ein beeindruckendes 6:3, 6:2 gegen Juan Martin Del Potro in die Runde der letzten Vier stürmte.
Dawydenko bleibt Gruppenzweiter, obwohl im zweiten Spiel des Tages der schon qualifizierte Novak Djokovic mit 6:1, 5:7, 1:6 an Jo-Wilfried Tsonga scheiterte und dem Franzosen damit zum dritten Mal in Serie unterlag. Der Serbe bleibt Gruppenerster, weil er den Russen in der Direktbegegnung bezwungen hatte.
Del Potro musste sich vorkommen, wie wenn er in einen heftigen Wind geraten geraten wäre, der oft über den 18,5-Millionen-Moloch Schanghai fegt. Was der 20-jährige Argentinier auch versuchte, Dawydenko wusste stets eine Antwort. Der Russe war von der Grundlinie deutlich überlegen, machte viel mehr Druck und war für einmal auch bei seiner Schwachstelle effizient: Er schloss für 11 von 14 Netzangriffen erfolgreich ab. Bei Del Potro waren hingegen die Energiereserven aufgebraucht, er fand kein Gegenmittel gegen das offensive Spiel von Dawydenko und gab sich Mitte des zweiten Satzes auf.
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Dawydenko war nach seiner zweiten Qualifikation für den Masters-Halbfinal nach 2005 nicht der Ansicht, dass dies seine beste Leistung des Jahres gewesen sei: "Auf dem Weg zum Titel in Miami war ich viel stärker. Heute war es einfacher, alles ging langsamer und mein Gegner war nervös."
Nun muss der Vielspieler mit den schnellen Beinen, der heuer sein Pensum reduziert hat, warten, ehe er seinen nächsten Gegner kennt. Dawydenko hat eine deutliche Präferenz: "Gegen Murray habe ich die besseren Chancen, auch wenn er jetzt sehr gut spielt. Gegen Federer habe ich eine 0:12-Bilanz und auch wenn er hier gegen Simon verloren hat, weiss man nie. Er ist jeden Tag ein anderer Spieler."
Für Del Potro endet auf Stufe ATP-Tour ein grossartiges Jahr, in dem er von Rang 81 im April bis in die Top 10 vorstiess. Doch der 20-jährige Schlaks aus Tandil will mehr und weiss auch, wo er den Hebel ansetzen muss: "Die Teilnahme an diesem Turnier war ein Traum und wird mir weiterhelfen. Ich muss aber noch härter arbeiten, denn meine Gegner sind physisch stärker als ich." Del Potro fliegt schon heute Freitag nach Argentinien zurück, wo er am Samstag Nacht eintrifft und dann einige Tage Zeit hat, sich auf den Davis-Cup-Final vorzubereiten.