Roger Federer trotz sieben angewehrten Matchbällen out:
Federer verabschiedet sich aus Shanghai...
Damit ist Murray Gruppensieger und trifft heute im Halbfinal auf Nikolai Dawydenko. In der zweiten Partie spielt Novak Djokovic gegen Gilles Simon.
Grossartiges Spektakel
"Roger, Roger" hallte es bei 4:5 im dritten Satz und Deuce zum wiederholten Mal durch das weite Rund des Qi-Zhong-Stadions, wo man sich von der Atmosphäre eher an einem Fussballspiel wähnte. Die chinesischen Fans wollten nicht, dass ihr Liebling ausschied und taten ihre Sympathien unverhohlen kund. Und Federer enttäuschte sie nicht: Er wehrte mit einem Ass auch den siebten Matchball ab und glich wenig später mit seinem eigenen fünften Gameball auf 5:5 aus. Doch Murray blieb -- einmal mehr -- so cool wie ein Eisblock und verwertete wenig später nach einer Spielzeit von 181 Minuten seinen achten Matchball.
Roger Federer nahm ein letztes Mal die Ovationen der Fans entgegen und verliess dann jenen Center Court, auf dem er in den letzten beiden Jahren den Titel gewonnen hatte. Dass er einen grossen Teil zu einem grossen Match beigetragen hatte, tröstete ihn nicht sehr: "Es ist mir eigentlich egal, ob ich 1:6, 1:6 oder 5:7 im dritten Satz verliere."
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Federer war zwar in der ersten Enttäuschung verständlicherweise sehr selbstkritisch, hatte sich die Ovationen aber mehr als verdient. Denn nach zwei deutlich unterdurchschnittlichen Leistungegen gegen Gilles Simon und Radek Stepanek -- bedingt durch Rückenprobleme und eine Magenverstimmung -- zeigte er gegen den besten Spieler der letzten Monate eine starke Leistung, gerade unter diesen alles andere als idealen Voraussetzungen. Und da auch der schon qualifizierte Murray diese Partie nicht einfach als lockeres, wettkampfmässiges Training vor dem Halbfinal interpretierte, entwickelte sich ein grossartiges Spektakel, bei dem beide Spieler die unglaublichsten Gewinnschläge gleich in Serie aneinander reihten.
Federer, auch ein wenig aus der Not heraus äusserst offensiv eingestellt, gewann den ersten Satz und kam im zweiten Durchgang nach einem 2:5-Defizit noch fast zurück. Im Tiebreak holte er dank zwei grossartigen Punkten noch einen 1:3-Rückstand auf, ehe Murray aber wieder vier Punkte in Serie gewann und so den Gleichstand bewerkstelligte.
Beim 13-fachen Sieger von Major-Turnieren machte sich nun bemerkbar, dass er in den zehn Tagen vor Turnierbeginn wegen des Rückens kaum hatte trainieren können. Federer musste sich im dritten Satz dreimal vom ATP-Physiotherapeuten behandeln lassen und legte sich dafür jeweils ausgestreckt hin. Während des Spiels liess er sich die Unbill aber zumindest nicht anmerken, machte ein 0:3-Defizit wett und war bei 4:3, 40:15 nur noch fünf Ballwechsel vom Sieg entfernt. "Leider habe ich das Wunder nicht ganz vollbringen können", so Federer, der auch bei seinen beiden anderen entscheidenden Niederlagen in Schanghai äusserst knapp und nach grossartigem Kampf verloren hatte; 2002 im Halbfinal gegen Lleyton Hewitt und 2005 im Final gegen David Nalbandian.
Die erste Enttäuschung war relativ rasch verflogen, wobei sicher auch dazu beigetragen hat, dass man sich heute Federer nur schwer gegen den ausgeruhten Nikolai Dawydenko hätte vorstellen können. Er sich selber auch nicht: "Ganz ehrlich, ich bin ziemlich froh, dass ich morgen keinen Match bestreiten muss. Gegen Dawydenko wäre dies gar nicht lustig geworden, gegen ihn muss man viel verteidigen und rennen."