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Das schlechteste Jahr Federers seit 2002
Das schlechteste Jahr Federers seit 2002
Gemischte Gefühle für Roger Federer

Trotz der gelungenen zweiten Saisonhälfte mit dem Gewinn des US Open als 13. Grand-Slam-Turnier ist Federers Ausbeute für seine Verhältnisse unterdurchschnittlich. Von den 14 grössten Events der Saison gewann er nur das Turnier in Flushing Meadows, hinzu kommen das Olympia-Gold im Doppel sowie Basel, welche grosse emotionale Bedeutung haben, sich aber auf die Weltrangliste kaum oder gar nicht auswirken sowie Estoril und Halle. Letztmals so wenige grosse Erfolge feierte er 2002 und so viele Niederlagen wie in diesem Jahr (15) hat er seit 2003 (17) nie mehr einstecken müssen. Als logische Folge verlor er im August auch nach 237 Wochen ununterbrochener Regentschaft die Nummer 1 an den (überragend aufgetretenen) Rafael Nadal.

Allerdings fehlte nur ein Hauch, und die Bilanz würde ganz anders aussehen. Wahrscheinlich nur ein Punkt, denn wenn Federer im epischen Wimbledon-Final nach einem tollen Comeback den Breakball zum 5:3 im fünften Satz verwertet hätte, dann wäre ihm sein sechster Titel in Serie beim wichtigsten Turnier des Jahres wohl kaum mehr zu nehmen gewesen und überall wären die Superlative hervorgenommen worden. Darüber hinaus erreichte er auch das Paris-Endspiel, ohne je sein bestes Tennis zu spielen, war dort aber gegen Nadal absolut chancenlos.

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Bei der Analyse der nackten Resultate wurde allzu oft vergessen, dass Federer heuer bei sehr vielen Turnieren nicht in hundertprozentiger Verfassung antrat. Da er um die Jahreswende am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankte, welches erst später diagnostiziert wurde, verpasste er praktisch die komplette Vorbereitung und damit die einzige Chance, die ein Tennisspieler hat, die Basis für eine elfmonatige Saison zu legen. Dementsprechend ist auch seine Niederlagen-Quote höher als auch schon, und zu seinen Bezwingern zählen auch Leute wie Mardy Fish, Radek Stepanek, Ivo Karlovic oder Gilles Simon, gegen die er in einem Top-Jahr wohl kaum verloren hätte. "Wenn ich einige Niederlagen mehr kassiere, stört mich dies nicht so sehr. Ich bin oft angetreten, auch wenn ich nicht optimal vorbereitet war."

Defizite bei den Masters-Series-Turnieren

Klar ist auch, wo das grösste Steigerungspotenzial liegt. Bei den neun Masters-Series-Turnieren fuhr Federer heuer nur 1605 (von 4500 theoretisch möglichen) Punkten ein und erreichte lediglich zwei Finals. Zum Vergleich: In den letzten vier Jahren gewann er stets mindestens zwei solcher Events und ist mit total 14 Trophäen auch der klare Leader aller aktiven Spieler. Bei diesen Turnieren der zweithöchsten Kategorie handelte sich Federer auch fast den gesamten Rückstand auf Rafael Nadal ein, der am Montag noch 1370 Punkte betragen wird.

Das Interview

Wie praktisch immer nach einer Niederlage erschien Roger Federer sehr schnell zur Pressekonferenz. Der Baselbieter sprach über den Rücken, seine Saison, die Zukunft und die Trainersuche.

Roger Federer, haben Sie heute einmal daran gedacht, aufzugeben?

Roger Federer: "Nein, wenn ich einmal auf dem Platz bin, dann gebe ich nicht auf. Man müsste mir schon eins ins Auge schlagen, dann vielleicht. Aber ansonsten gebe ich während einer Partie nicht auf."

Wie ging es Ihrem Rücken?

"Der Rücken war den Umständen entsprechend okay. Natürlich wurde er dann auch steifer, aber das war muskulär und damit kann man umgehen. Natürlich musste ich in den letzten Tagen auch viel kompensieren und der Körper tat weh. Im Normalfall bereitet ein Best-of-three-Match keinerlei Probleme. Schade, dass es heute nicht so war."

Wie bilanzieren Sie nun ihre Saison?

"Sie war gut. Ich bin glücklich, dass ich das US Open zum fünften Mal in Serie gewinnen konnte und hoffe das nächste Mal auf den sechsten Titel. Es war auch gut, dass ich in Wimbledon Teil dieser unglaublichen Partie war. Natürlich waren die Siege in Basel und bei den Olympischen Spielen sehr emotional. Der Start war hart und der Schluss auch, es sind etwas gemischte Gefühle."

Aufgrund des Pfeifferschen Drüsenfiebers waren Sie nur ungenügend vorbereitet in die Saison gestartet. War es auch ein frustrierendes Jahr, weil Sie Ihr Potenzial oft nicht ausschöpfen konnten?

"Frustrierend war es zum Beispiel heute, weil ich wusste, dass ich nicht so kann wie ich möchte. Anfangs Jahr war es nicht optimal, in Australien wusste ich noch nicht, was ich hatte und danach in Dubai, Indian Wells und Miami musste ich mich zuerst wieder herantasten. Aber in Paris, Wimbledon und dem US Open war es gut, da habe ich ja auch gut gespielt. Es war auch interessant, weil ich diese Erfahrungen vorher noch nie gemacht hatte und ein anstrengendes Jahr. Vielleicht ist mir auch deshalb der ´Pfuus´ etwas ausgegangen."

Was haben Sie aus diesem Jahr gelernt?

"Ich habe gelernt, vorsichtig zu sein und bin stolz auf meine Leistung unter schwierigen Umständen. Ich habe mich dem Challenge gestellt und bin häufig zu Matches angetreten, obwohl ich wusste, dass ich nicht optimal vorbereitet bin und auch verlieren könnte. Im nächsten Jahr werde ich sicher viel häufiger hundertprozentig vorbereitet spielen können."

Wie geht es nun bei Ihnen weiter? Spielen Sie die Exhibitions nächste Woche?

"Ich denke eigentlich, dass ich mich in drei, vier Tagen erholt haben werde und möchte diese Verpflichtungen eigentlich gerne erfüllen. Danach gehe ich zwei, zweieinhalb Wochen in die Ferien und dann beginnt das Training. Die neue Saison geht mit einer Exhibition in Abu Dhabi, dem Turnier in Doha, Kooyong und dem Australian Open los."

Wie sieht es mit der Trainersuche aus?

"Die ist eigentlich abgebrochen. Jose Higueras kommt noch zusammen mit Seve (Lüthi, Red.) nach Dubai fürs Training, aber ich bin sehr zufrieden mit Seve, er leistet hervorragende Arbeit. Er hat ja eigentlich eine Coachingfunktion inne, es ist ja egal, wie ich oder er dem sagt."

Aufgezeichnet von Marco Keller (Si), Schanghai

 

 
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