02.07.2009
Schwester-Duell nach der Abfuhr für Safina

Venus Williams marschierte gegen Safina locker durch.
Zum vierten Mal seit 2002 kommt es in Wimbledon zum finalen "sister act" zwischen Venus und Serena Williams. Serena Williams wehrte beim Sieg über Jelena Dementjewa (6:7, 7:5, 8:6) einen Matchball ab.
Der Halbfinaltag bot völlig unterschiedliche Partien. Zuerst bekämpften sich Serena und Jelena Dementjewa während zwei Stunden und 50 Minuten auf allerhöchstem Niveau. Anschliessend machte Venus Williams mit der Weltranglisten-Ersten Dinara Safina in bloss 52 Minuten kurzen Prozess (6:1, 6:0).
Safina erlebte eine weitere bittere Stunde an einem Grand-Slam-Turnier. Die Schwester von Marat Safin führt zwar seit knapp drei Monaten die Weltrangliste an; vom ersten Grand-Slam-Titel blieb die 23-Jährige aber auch in Wimbledon weit entfernt. Safina kassierte zum dritten Mal in dieser Saison in der finalen Phase eines Majorturniers eine Kanterniederlage: Im Januar in Melbourne hatte sie den Final gegen Serena Williams 0:6, 3:6 verloren. Im Juni folgte in Paris eine 2:6, 4:6-Abfuhr im Endspiel gegen Swetlana Kusnezowa. Und nun gewann Safina im Wimbledon-Halbfinal gegen Venus lediglich ein Game -- bei 0:5 im ersten Satz.
Safina: "Ich fühlte mich wie in einem Alptraum. Die Partie dauerte keine Stunde und ich gewann nur ein Spiel. Viel schlimmer kann es nicht kommen." Venus Williams sei auf Rasen eine Klasse zu gut für sie, sie könne auf dieser Unterlage ihr gewohntes Spiel gar nicht aufziehen.
Ist Dinara Safina zu Unrecht die Nummer 1? Möglicherweise ist sie das, denn das Palmarès eines Tennisprofi wird primär anhand der Anzahl Siege an Grand-Slam-Turnieren gemessen. Safina: "Und Venus (Williams) erteilte mir eine Lehrstunde." Die Weltrangliste honoriert dagegen vor allem Konstanz. Sie bevorteilt Vielspielerinnen. Safina gewann während der letzten zwölf Monate fünf Turniere (Los Angeles, Montreal, Tokio, Rom, Madrid) und erreichte an allen Majors mindestens die Halbfinals. Aber sie bestritt auch deutlich mehr Turniere als die Geschwister Williams -- und immer wenn es um die Wurst ging, versagten ihre Nerven.
Gute Nerven stellte im ersten Halbfinal Serena Williams unter Beweis. Sie wehrte bei 4:5 im dritten Satz gegen Jelena Dementjewa mit einem Flugball an die Netzkante einen Matchball ab. Gut 20 Minuten später verwertete sie zum 6:7 (4:7), 7:5, 8:6 ihren ersten Matchball. Dementjewa ärgerte sich, dass es ihr nicht gelang, den vierten "sister act" in sieben Jahren zu verhindern. Dementjewa besass bei 7:6, 4:3 zwei Breakmöglichkeiten. Im Entscheidungssatz führte sie sogar mit einem Break 3:1. Dementjewa: "Aber die beste Chance vergab ich beim Matchball. Der Passierball ist meine stärkste Waffe. Ich kann mir nicht erklären, warum ich den Ball nicht einfach an Serena vorbei spielte. Serena stand so nah am Netz, dass selbst ein Lob kein Problem dargestellt hätte. Aber es ging mir wohl zu schnell, ich konnte beim Matchball nicht klar denken."
Immerhin boten Dementjewa und Serena Williams am zehnten Spieltag endlich hochklassiges Frauentennis. Beide schlugen gut auf. Dementjewa leistete sich nur sieben Doppelfehler; keiner kostete sie ein Break. Gegnerin Serena Williams schlug sogar derart gut auf, dass "ich mich fragte, ob ich eigentlich gegen Andy Roddick oder Serena Williams spiele" (Dementjewa).
Am Samstag um 15 Uhr Schweizer Zeit greift Serena Williams nach dem dritten Titelgewinn in Wimbledon nach 2002 und 2003. Venus Williams könnte zum sechsten Mal triumphieren, sie steht zum achten Mal im Endspiel. Über die letzten zehn Jahre geht der prestigeträchtigste Turniersieg der Welt zum achten Mal an ein Mitglied der Williams-Family.
von Rolf Bichsel (Si)