04.07.2009
Serena Williams gewann den ''Sister Act''

Serena Williams: ''Ich bin lieber die Nummer 2.''
Serena Williams hat zum dritten Mal nach 2002 und 2003 in Wimbledon triumphiert. Im Final besiegte Serena ihre Schwester Venus Williams 7:6 (7:3), 6:2.
Eine gute Stunde lang lieferten sich die Geschwister am amerikanischen Unabhängigkeitstag (4th July/Independence Day) einen spannenden Final. Der erste Satz ging ins Tiebreak, und auch zu Beginn des zweiten Durchgangs brachten beide Spielerinnen den Aufschlag jeweils durch. Je länger die Partie dauerte, desto besser bekam Serena Williams das Geschehen aber in den Griff. Sie realisierte zum 4:2 im zweiten Satz das erste Break dank eines Doppelfehlers von Venus. Eine Viertelstunde später doppelte Serena beim vierten Matchball mit einem weiteren Break nach. Die Partie dauerte 87 Minuten, dann sank Serena Williams jubelnd in die Knie.
''Normalerweise gewinnt immer Venus''
"Es kommt mir gar nicht realistisch vor, dass ich hier mit der Trophäe stehen darf", meinte sie anlässlich der Siegerehrung, denn "normalerweise gewinnt ja hier immer Venus". Das Turnier, die Plätze, Bälle und der Pokal, eigentlich alles sei in Wimbledon auf ihre Schwester zugeschnitten.
Venus Williams, die in Wimbledon schon fünfmal gewann, zum achten Mal den Final bestritt und als erste seit Steffi Graf 1993 den Titel-Hattrick hätte schaffen können, bot sich nur eine kleine Chance, der Partie einen anderen Verlauf zu geben. Im ersten Satz kam sie zu zwei Breakmöglichkeiten für eine 5:3-Führung, beim zweiten Breakball landete ein Passierball nur Millimeter hinter der Linie. Venus Williams: "Serena spielte diesmal zu gut, sie hatte auf alles die passende Antwort parat."
Vater mag Kindern nicht zusehen
Nicht auf der Tribüne sass Richard Williams. Der Vater befand sich bereits auf dem Weg zurück in die Staaten, derweil sich die Töchter duellierten. Richard Williams bleibt allen Duellen zwischen Venus und Serena fern; er mag nicht zusehen, wenn sich die Kinder "bekämpfen". Er erachtete seinen Job in Wimbledon am Donnerstag als erledigt, als sich seine Girls für den Final qualifiziert hatten.
Serena Williams eroberte in Wimbledon den elften Grand-Slam-Titel und schon den dritten nach einem abgewehrten Matchball. Im Halbfinal hatte Serena gegen Jelena Dementjewa bei 4:5/30:40 im dritten Satz einen Matchball mit einem Netzroller abgewehrt. Schon am Australian Open 2003 (gegen Kim Clijsters) und 2004 (gegen Maria Scharapowa) hatte Serena im Halbfinal Matchbälle abgewehrt und anschliessend das Turnier gewonnen.
Die ''richtige'' Nummer 1? ''Nein!''
Serena hält im Moment drei Grand-Slam-Trophäen: sie gewann letzten September das US Open und im Januar auch das Australian Open. In der Weltrangliste bleibt aber zumindest vorderhand Dinara Safina (unterlag Venus Williams im Halbfinal 1:6, 0:6) an der Spitze. Serena Williams übte deshalb Kritik an der Spielerinnengewerkschaft WTA: "Wer innerhalb eines Jahres drei Grand-Slam-Turniere gewinnt, der müsste die Nummer 1 sein. Aber auf der WTA-Tour ist das offensichtlich nicht der Fall."
Aber die grosse Freude über den Wimbledonsieg am Independence Day liess sich Serena durch die Ranking-Kapriolen nicht verderben: "Ob ich wieder die Nummer 1 werden will? Nein, ich bleibe lieber die Nummer 2 und gewinne Majorturniere. Ich bin lieber die Nummer 2 mit drei Grand-Slam-Titeln als die Nummer 1 ohne einen." Aber erachtet sie sich als "richtige" Nummer 1? Serena Williams: "Nein! Dinara Safina verdient die Nummer 1: sie hat Rom und Madrid gewonnen..."
von Rolf Bichsel (Si)