20.11.2009
''Es ist unmöglich, nicht an Tennis zu denken''
Im zweiten Teil des grossen sportal.ch-Interviews spricht Ana Ivanovic über die Comebacks von Clijsters und Henin, ihre besten Freundinnen auf der Tour sowie ihre Chancen, in naher Zukunft wieder die Nummer eins zu werden.
sportal.ch: Ana Ivanovic, die Frauen-Tour geniesst nicht dieselbe Aufmerksamkeit wie jene der Herren. Was sind Ihrer Meinung nach die Hauptgründe für diesen Zustand?
Ana Ivanovic: Diese Frage habe ich mir noch nie gestellt, da ich nicht verfolge, was in den Medien berichtet wird. Ich bin aber der Meinung, dass das Frauentennis im Moment äusserst spannend ist. Wir haben viele tolle Spielerinnen in den Top 10 und mit der Rückkehr von Kim (Clijsters, A.d.R.) und Justine (Henin, A.d.R.) kommen zwei Aushängeschilder zurück. Es herrscht im Moment ein guter Mix zwischen jungen und etwas erfahreneren Spielerinnen. Die kommende Saison wird auf jeden Fall äusserst spannend werden!
Weshalb sind die Spielerinnen an der Spitze nicht gleich konstant wie die Herren?
Ich bin nicht sicher, ob das so stimmt. Nehmen wir zum Beispiel Serena Williams: Sie ist schon seit Jahren vorne mit dabei. Dasselbe gilt auch für ihre Schwester Venus. Aber ein Grund in Sachen Konstanz könnte der Aufschlag sein: Die Herren haben einfach einen viel stärkeren Aufschlag, auf den sie sich verlassen können.
Sie haben vorhin Clijsters und Henin angesprochen. Wie denken Sie über diese Combeacks? Ist es fürs Frauentennis gut, wenn so erfolgreiche Spielerinnen zurückkehren?
Fürs Tennis ist es super! Auch für mich persönlich ist es eine tolle Sache, weil sie beide grosse Champions sind. Zudem habe ich weder gegen Kim noch Justine je gewonnen und ich freue mich bereits jetzt auf die Herausforderung, gegen sie anzutreten. Mit Kim verstehe ich mich auch persönlich sehr gut und finde es schön, sie nun wieder öfter anzutreffen.
Viele Profis geben immer wieder zu Protokoll, dass Freundschaften unter Spielerinnen nur selten vorkommen. Mit wem verstehen Sie sich am besten?Es stimmt, die meisten sind nicht gerade beste Freundinnen, man verbringt die meiste Zeit mit dem eigenen Team. Als ich als Juniorin auf die WTA Tour kam, habe ich erwartet, viele neue Freundschaften zu schliessen. Ich habe aber schnell gelernt, dass die Tour nicht das freundlichste Umfeld ist. Ich verstehe mich aber mit vielen Kolleginnen gut, Sorana Cirstea, Maria Kirilenko, Sania Mirza und Svetlana Kuznetsova würde ich sogar als Freunde bezeichnen.
Bei den Schweizer Frauen tut sich einiges, Timea Bacsinszky hat erst kürzlich ihr erstes Turnier gewonnen. Kennen Sie sie persönlich?Ja, allerdings kennen wir uns nicht allzu gut. Sie scheint aber ein nettes Mädel zu sein, sehr freundlich. Als ich hier in der Schweiz Interclub gespielt habe, sind wir uns das ein oder andere Mal über den Weg gelaufen.
Was trauen Sie ihr in Zukunft zu?
Ich habe auf der Tour noch nie gegen sie gespielt, deshalb möchte ich hier nicht über ihr Spiel urteilen. Aber fürs Schweizer Tennis wäre es natürlich fantastisch, wenn sie weiter solche Fortschritte machen und noch viele Turniere gewinnen könnte.
Als Sie die Saison beendet haben, haben Sie gesagt, dass sie stärker denn je zurückkehren werden. Wie geht es Ihnen im Moment?Ich habe mir einen erholsamen Urlaub gegönnt und Anfang Monat das Fitnesstraining wieder aufgenommen. Nächste Woche werde ich auch wieder täglich zum Schläger greifen. Die Pause hat mir gut getan und ich freue mich darauf, in den nächsten Wochen hart an mir zu arbeiten, um rechtzeitig zum Saisonstart meine Bestform abrufen zu können.
Wie wichtig war es, nach der eher enttäuschenden Saison einmal abzuschalten?Sehr wichtig! Während der Saison hatte ich keine Zeit, um richtig Urlaub zu machen. Während den Pausen musste ich die Zeit entweder für Physiotherapie oder Fitness-Training nutzen. Dass ich nun einmal richtig Urlaub machen konnte, hat sich sehr gut angefühlt.
Gelingt es Ihnen während solchen Pause, nicht an Tennis zu denken?Nein, es ist unmöglich, den Kopf völlig frei zu bekommen, dafür liebe ich den Sport zu sehr.
Wie realistisch schätzen Sie Ihre Chancen ein, bald wieder die Nummer eins zu werden?Das wird immer mein Ziel sein! Aber ich denke im Moment eher daran, mehr Grand-Slam-Turniere zu gewinnen, statt mir eine Ranglisten-Position als Ziel zu setzen. Das Ranking kommt automatisch, wenn man gut spielt.
Von Svenja Mastroberardino