Die vier nordischen Disziplinen innerhalb von Swiss-Ski können mehr und mehr die Früchte ihrer nachhaltigen Aufbauarbeit der letzten Jahre ernten. Entsprechend zuversichtlich tönen die Verantwortlichen wenige Wochen vor Saisonbeginn.
Gemessen an den Klassierungen im Weltcup bildet das Skispringer-Duo Simon Ammann und Andreas Küttel immer noch das Flaggschiff der nordischen Fraktion. Nach den starken Resultaten im Sommer-Grand-Prix gilt der angestrebte Medaillengewinn an den WM in Liberec im Februar als realistische Zielsetzung, die Top-10-Klassierung im Weltcup schon fast als Pflicht.
"Wir konnten ohne Reibungsverlust kontinuierlich weiterarbeiten", bilanzierte Disziplinenchef Gary Furrer den im Frühling notwendig gewordenen Trainerwechel. Der Österreicher Werner Schuster hatte dem Lockruf aus Deutschland nicht widerstehen können und wurde durch seinen Assistenten Martin Künzle (Sz) ersetzt.
Im Hinblick auf die kommenden drei Höhepunkte mit Liberec, Vancouver 2010 und den WM 2011 in Oslo wollen Weltmeister Ammann und Engelberg-Sieger Küttel keine neuen Experimente eingehen und halten vorwiegend an Bewährtem fest. So werden die Saisonvorbereitungen bis unmittelbar vor dem Auftakt Ende November in Kuusamo (Fi) auf der Einsiedler Heimschanze vorangetrieben. Die Umstellung auf Schnee erfordert dank der modernen Anlaufspuren keinen grossen Effort mehr. Statt sich im dunklen Skandinavien der Gefahr eines Lagerkollers auszusetzen, wird in der gewohnten Umgebung und während einer Ferienwoche an der Wärme Energie getankt.
Anzeige
Hinter dem Top-Duo klafft allerdings eine Lücke, die sich nach den Rücktritten von Guido Landert und Andreas Möllinger trotz sukzessiver Aufbauarbeit im Nachwuchsbereich vergrössert hat. Die Springer der Jahrgänge 1994 und 1995, die verheissungsvolle Signale aussenden, dürften diesen Winter noch kaum auf Weltcup-Stufe zum Einsatz gelangen.
Dank der Premiere bei den WM in Liberec stehen diesen Winter erstmals die fliegenden Frauen im Blickpunkt einer breiteren Öffentlichkeit. Für eine Selektion kommen primär Bigna Windmüller und Salome Fuchs in Frage. Malika Schüpbach, der das grösste Potenzial attestiert wird, fällt wegen eines Kreuzbandrisses den ganzen Winter aus, Sabrina Windmüller ist nach einem Ellbogenbruch ebenfalls nicht einsatzfähig.
Priorisierung im Langlauf
Im Langlauf war letzten Winter ein Leistungsschub erfolgt, den es nun zu bestätigen gilt. Insgesamt zwölf Athleten sammelten 646 Weltcupzähler und fünf Athletinnen 566 Punkte. Dies entspricht einer Steigerung gegenüber 2006/07 um 100 Prozent. Nun soll das Ziel, mehr als zwei Athleten in die Rote Gruppe zu bringen, konsequent angestrebt werden.
"Wir haben deshalb eine Priorisierung eingeführt", erklärte Disziplinenchef Adriano Iseppi. "Wir dürfen nicht auf zuvielen Hochzeiten tanzen und müssen den besten Athleten auch die beste Betreuung anbieten." Gewisse Trainingskurse sind deshalb nur für das A-Team vorgesehen. Immer mehr zeichnet sich ab, dass insbesondere U23-Weltmeister Dario Cologna das Rüstzeug besitzt, um einmal ein ganz Grosser zu werden.
Kombinations-Weltcup in Engelberg?
Die Kombination will diesen Winter mit einem neuen und zugleich einheitlichen Wettkampf-Format (1 Sprung/10 km Langlauf) wieder an Stellenwert gewinnen und sich näher an den Skisprung binden. In Engelberg laufen deshalb Bemühungen, ab 2010 während dem vorweihnachtlichen Skisprung-Event auch einen Kombinations-Weltcup durchzuführen. Gemäss Olympiasieger Hippolyt Kempf, der auch eine Triebfeder in der Reorganisation seiner Sportart war, würde dank der Synergien mit den Skispringern ein tiefer sechsstelliger Betrag zur Durchführung genügen. Gemäss seinen konkreten Ideen soll 2009 ein Continental-Cup und ab 2010 ein Weltcup in Engelberg stattfinden.
Die Basis, um an einem Heimweltcup zu brillieren, haben die Kombinierer bereits gelegt. Der Sieg von Ronny Heer beim Sommer-Grand-Prix in Einsiedeln, der 2. Rang von Tommy Schmid letzten Winter in Zakopane (Pol) sowie seine Silbermedaille bei den Junioren-WM plus die zwei Top-Ten-Klassierungen von Seppi Hurschler haben die Hoffnungen genährt, dass die Athleten von Disziplinenchef Kempf wieder für Schlagzeilen sorgen. Vor einem Jahr durfte bloss ein Athlet beim Saison-Opening in Kuusamo antreten, nun können die Kombinations-Trainer für vier Startplätze aus sieben Kandidaten auswählen.
Fünf Quotenplätze im Biathlon
Der Biathlon hat sich als ersten Schritt innerhalb von Swiss-Ski zu einer festen Grösse hochgearbeitet. Erstmals stehen im Weltcup der Männer fünf Quotenplätze zur Verfügung und die Truppe um Disziplinenchef Markus Regli verfügt auch über das Potenzial, diese personell bestücken zu können. Die Nationalmannschaftsmitglieder Simon Hallenbarter und Matthias Simmen wollen diesen Winter zusammen mit ihren Kollegen Claudio Böckli, Thomas Frei, Ivan Joller und Nachwuchshoffnung Benjamin Weger den Top-10-Platz im Nationenranking halten. Als Quereinsteiger ist der Langläufer Christian Stebler bei den Biathleten heimisch geworden.