In der langjährigen Sorgendisziplin Slalom verfügt Swiss-Ski endlich wieder bei beiden Geschlechtern über kompakte Teams. Den Männern ist auch in der neuen Saison alles zuzutrauen.
Der Weltcup-Winter beginnt häppchenweise. Drei Wochen nach den Gletscher-Riesenslaloms in Sölden finden am Wochenende in Levi (Fi) zwei Slaloms statt, bevor es ab Ende November in Nordamerika mit dem vollen Programm weitergeht. Noch vor drei Jahren wäre für Swiss-Ski ein Abstecher nach Lappland nur wegen zwei Slaloms kaum den Aufwand wert gewesen. Doch im Vergleich zur Olympia-Saison 2005/2006, als Männer und Frauen zusammen 209 Weltcup-Punkte geholt hatten, konnte die Slalom-Ausbeute in den letzten beiden Wintern vervierfacht werden. Nachdem 2006/2007 der grösste Teil des Ertrags auf das Konto der Männer gegangen war (743:96 Punkte), machten in der vergangenen Saison auch die Frauen einen Entwicklungssprung (552:325 Punkte).
Besser abgestimmt
Als die Rennen von Levi vor Jahresfrist wegen Schneemangels auf die Reiteralm (Ö) verlegt werden mussten, gelang Marc Gini mit seinem ersten Weltcupsieg eine Überraschung. Der 24-jährige Bündner mit dem blitzschnellen Schwung beklagte nach dem Exploit eine viel zu hohe Ausfallquote. Die nötige Stabilität glaubt Gini inzwischen unter anderem dank einem Skimarkenwechsel erlangt zu haben. "Er hat das richtige Materialpaket nach dem Transfer bald einmal gefunden", sagt sein Trainer Sepp Brunner.
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Wie wichtig die optimale Abstimmung auch im Slalom ist, erfuhren im letzten Winter die Markenkollegen Daniel Albrecht und Marc Berthod. Ausgerechnet in der Disziplin, über die sie einst in den Weltcup eingestiegen waren, kamen die kongenialen "Ski-Zwillinge" nicht richtig auf Touren. Während sich Kombi-Weltmeister Albrecht in der Vorbereitung deutlich verbessert zeigte, machte Berthod die Gesundheit mehr als einen Strich durch die Rechnung. Nach Knie- und Rückenproblemen setzte ihn zuletzt eine Grippe ausser Gefecht. Um die Slalom-Trainingstage des St. Moritzers abzuzählen, braucht man keine zwei Hände. Dafür ist das Selbstvertrauen von Albrecht nach dem Riesenslalom-Triumph in Sölden dem Höchststand schon ziemlich nahe.
So sind es denn auch Albrecht und Gini, denen Brunner in Levi am meisten zutraut. Mit zwei Klassierungen unter den Top 15 oder drei unter den Top 30 wäre der Baumeister des Erfolgs der jüngsten Schweizer Siegfahrer fürs Erste zufrieden. Levi ist wie Sölden eine Standortbestimmung, ohne dass die Hierarchie im Stangenwald schon gefestigt wäre. Silvan Zurbriggen erwartet besonders gespannt, wo er sich da einordnen kann. Der 27-jährige Walliser bestreitet am Sonntag sein erstes Rennen nach dem Kreuzbandriss, den er sich im Dezember 2007 in Val Gardena zuzog.
Von zwei auf acht
In der Euphorie des erfolgreichsten Schweizer Ski-Winters seit zwölf Jahren war die erstaunliche Entwicklung der Schweizer Slalomfahrerinnen nur eine kleine Fussnote. Es ist aber keine zwei Jahre her, da hatte Swiss-Ski im Frauen-Slalom nur noch zwei Startplätze. Jetzt sind es acht, die in Levi wegen Verletzungen der Junioren-WM-Zweiten Célina Hangl (Schienbeinbruch) sowie von Pascale Berthod (Rückenprobleme) allerdings nicht ausgeschöpft werden können. Dafür ist Aita Camastral wieder fit. Die Engadinerin hatte im Sommer wegen einer Knochenentzündung pausieren müssen und den betroffenen Fuss lange nicht belasten können. Erst Ende September kehrte sie auf die Ski zurück.
Camastral ist als 22. der Weltcup-Startliste die nominelle Nummer 2 im Schweizer Team. Zur Leaderin hat sich Sandra Gini emporgeschwungen. Die Schwester von Marc legte im letzten Winter ihre Nervenschwäche ab und endlich jenes Potenzial an den Tag, dass ihr die Trainer schon immer attestiert hatten. "Für Sandra wäre ein guter Start besonders wichtig", sagt Hugues Ansermoz. Der Cheftrainer weiss, wie viel sich bei der weiblichen Gini im Kopf abspielt. Die Konstanz im Training stimmt aber ebenso zuversichtlich wie die gute Startnummer, die sich Gini mit den Leistungen des Vorwinters verdient hat.
In den internen Zeitläufen war neben Gini auch Rabea Grand konstant vorne dabei. Weil sie in der letzten Saison nur in der Super-Kombination auftrumpfte, startet die Walliser Frohnatur im Slalom allerdings weit hinten. Besser präsentiert sich die Ausgangslage für Aline Bonjour. Die Waadtländerin ist im Training eine Wundertüte, kann als Wettkampftyp aber ein, zwei Gänge höher schalten, sobald es wirklich darauf ankommt. Für das wahre Schweizer "Renntier" sind in diesem Winter die ersten Weltcup-Slalom-Einsätze geplant. Lara Gut kam in der Vorbereitung mit ihrem privaten Betreuerstab auch auf den kürzesten Ski gut zurecht. Gemäss Ansermoz wird die 17-jährige Tessinerin aber frühestens Mitte Dezember in La Molina (Sp) debütieren.