Lindsey Vonn ist jetzt auch im Slalom eine Siegfahrerin. Die 24-jährige Amerikanerin setzte sich in Levi (Fi) völlig überraschend und trotz eines groben Fehlers im zweiten Lauf durch.
Die Bilanz des Swiss-Ski-Teams fiel dank Rabea Grand und Denise Feierabend positiv aus. Der Walliserin gelang mit Rang 11 ihr mit Abstand bestes Slalom-Resultat im Weltcup, die erst 19-jährige Feierabend, eine Cousine von Tamara Wolf, kann nach ihrem erst zweiten Weltcup-Slalom einen 18. (im Februar in Zagreb) und einen 13. Platz vorweisen.
Vonn fehlt nur noch ein Riesenslalom-Sieg
Der Slalom-Hang in Levi scheint auf Lindsey Vonn zugeschnitten. An der Doppelveranstaltung vor zwei Jahren hatte die Gesamtweltcup-Siegerin des vergangenen Winters mit den Rängen 4 und 6 ihre bis dato besten Slalom-Resultate herausgefahren. Nun setzte sich Vonn nach zehn Weltcupsiegen in der Abfahrt, zwei im Super-G und einem in der Super-Kombination erstmals im Stangenwald durch. "Der obere Teil der Strecke ist etwa gleich flach wie Minnesota, wo ich aufgewachsen bin", scherzte Vonn. Wie ihrer in Levi drittklassierten Freundin Maria Riesch fehlt Vonn nur noch ein Erfolg im Riesenslalom, um Aufnahme im exklusiven Klub der "Meisterinnen aller Klassen" mit Petra Kronberger, Pernilla Wiberg, Janica Kostelic und Anjä Pärson zu finden. Das zu schaffen gehört ab jetzt zu Vonns Saisonzielen.
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Mit dem Exploit in Levi überraschte sich Vonn selber am meisten. "Ich rechnete vielleicht mit einem Top-Ten-Resultat, im besten Fall mit einem Platz unter den ersten fünf", sagte sie. Mehr schien die Führende nach dem ersten Lauf mit ihrem schweren Fehler im zweiten vergeben zu haben. Doch obwohl sie im Steilen praktisch zum Stillstand gekommen war, rettete Vonn vier Zehntel Vorsprung ins Ziel. Zwischen Vonn und Riesch reihte sich Maria Pietilä-Holmner, die WM-Zweite im Riesenslalom, ein. Die Schwedin stand in der Heimat ihres Vaters erstmals im Weltcup auf dem Podest.
Im Gesamtweltcup übernahm Vonn schon wieder die Führung, obwohl die ersten Speed-Rennen erst Anfang Dezember in Lake Louise stattfinden. "Die Punkte aus Slalom und Riesenslalom betrachte ich als Bonus, der mir das Leben in den schnellen Disziplinen erleichtert", sagte Vonn. Sie habe dem Slalom in der Vorbereitung keine spezielle Beachtung geschenkt und meist allein trainiert, weil sich ihre Kolleginnen aus der Speed-Gruppe auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Vonn ist im Gegensatz zu Bode Miller und Julia Mancuso weiterhin ins US-Team integriert. Die Allrounderin geht den Mittelweg zwischen privatem Betreuerstab und Verband.
Grands wertvollstes Resultat
Rabea Grand beschäftigte sich im Frühling mit Rücktrittsgedanken. Das kritische Hinterfragen des eigenen Tuns hatte eine Jetzt-erst-recht-Reaktion zur Folge. Noch am Tag vor dem Rennen in Levi hatte ihr Trainer Beat Tschuor gelobt, dass Grand in der Vorbereitung erstmals wirklich konsequent und professionell ans Werk gegangen sei. "Ich musste 24 werden, um zu wissen, was ich will", sagte Grand. "Jetzt weiss ich es. Im Moment stimmt alles. Ich fahre so gut Ski wie noch nie." In der letztjährigen Super-Kombination von St. Anton war Grand noch einen Rang besser klassiert. Weil die Konkurrenz im Slalom viel grösser ist, darf man den 11. Rang von Levi aber ruhig als ihr wertvollstes Weltcup-Resultat bezeichnen. An Weltmeisterschaften stand Grand schon auf dem Podest -- als Dritte im Team-Wettkampf 2007 in Are.
Für die zweite Schweizer Erfolgsmeldung sorgte Denise Feierabend. Die unbekümmerte Juniorin aus Engelberg knüpfte nahtlos an ihr tolles Weltcup-Debüt an. "Dabei hatte ich im Steilhang gar kein gutes Gefühl", sagte Feierabend. Zusammen mit Marianne Abderhalden -- die Schwester des Schwingerkönigs schied in ihrem ersten Weltcup-Slalom mit elftbester Zwischenzeit aus -- reist Feierabend nun für Europacup-Einsätze nach Schweden weiter. Entgegen der ursprünglichen Planung erwägt Cheftrainer Hugues Ansermoz nun aber, Feierabend schon in zwei Wochen in Aspen wieder im Weltcup einzusetzen.
Mit den anderen Schweizerinnen war in Levi nicht viel los. Teamleaderin Sandra Gini fuhr im ersten Lauf (27.) mit angezogener Handbremse und schaffte den Cut nur knapp. Ein Blackout kurz nach dem Start bedeutete dann das Out. Gini hatte die erste Torstange nach einer "Banane" (Doppeltor) von der falschen Seite umkurvt. Aline Bonjour zierte als 59. das Ende der Rangliste. Aita Camastral musste Forfait geben. Nach einer Fussoperation im Sommer machte der Bündnerin wieder die alte Schwachstelle zu schaffen. Weil der Rücken blockiert war und eine Spritze nicht die erhoffte Wirkung hatte, musste Camastral am Morgen das Handtuch werfen.