07.02.2010
Schweizer Curling fest in Bündner Hand

Stefan Karnusian konnte endlich seinen ersten Schweizer Meistertitel feiern
Das Davoser Frauenteam um Mirjam Ott bereitet sich in Kanada auf die Olympischen Spiele vor. Und doch gingen an den Schweizer Curlingmeisterschaften in Bern beide Titel ins Bündnerland. Die neuen Meister heissen Flims (Binia Feltscher) und St. Moritz (Stefan Karnusian).
Sandra Ramstein, Heike Schwaller, Corinne Bourquin und Binia Feltscher-Beeli setzten sich im Frauen-Final gegen die von der zweifachen Schweizer Meisterin Silvana Tirinzoni angeführten Aarauerinnen 10:7 durch. Bei den Männern gewannen die routinierten Rolf Iseli, Robert Hürlimann, Christof Schwaller und Stefan Karnusian gegen das überraschende junge Team von Uitikon-Waldegg (Manuel Ruch) 8:6.
Günstige Ausgangslage nicht genutzt
Die Zürcher, Fünfte der Junioren-WM 2008, stiegen beim Stand von 6:6 mit dem Vorteil des letzten Steins ins 10. End, vermochten die günstige Situation aber nicht zu nutzen; Ruchs entscheidender letzter Stein geriet zu lang. Wenig fehlte also, und Uitikon-Waldegg hätte als erstes Team kurz nach der Junioren-Zeit den Titel bei den Grossen gewonnen. Für die Zukunft verspricht dies einiges. Der heutige Topcurler und Olympia-Teilnehmer Ralph Stöckli benötigte nach seinem Junioren-WM-Titel von 1997 fünf Jahre, bis er erstmals auch bei den Männern Schweizer Meister wurde.
Die neuen Meisterteams werden zur Belohnung für die gute Dauerleistung an den kommenden Weltmeisterschaften antreten können. Die Frauen-WM findet Mitte März im kanadischen Current Swift statt, die WM der Männer Anfang April in Cortina d'Ampezzo.
Karnusian: "Endlich!"
Sowohl für die 31-jährige Binia Feltscher-Beeli -- sie ist die einzige Bündnerin in allen drei Spitzenteams des Kantons -- als auch für den 46-jährigen Gstaader Stefan Karnusian sind es die ersten Meistertitel als Skip. "Endlich", sagte Karnusian erleichtert. Endlich erntet er die Entschädigung für die Jahre, in denen er hinter den Teams von Ralph Stöckli/Markus Eggler und Andreas Schwaller hatte anstehen müssen. In Abwesenheit der Olympiaformation von Markus Eggler und nach dem Rücktritt von Andreas Schwaller ist St. Moritz nun der logische Meister. Die Bern-Solothurn-Connection hatte in vielen Turnieren der Champions Tour ihre Tauglichkeit auf europäischen Niveau bewiesen. An der EM 2008 wurde St. Moritz Vierter -- es war Karnusians einziger Auftritt an internationalen Titelkämpfen.
Letzten Oktober mussten die St. Moritzer einen schweren Rückschlag hinnehmen, als sie in der Schweizer Olympia-Ausscheidung nach harter Gegenwehr in einer Best-of-7-Serie mit 2:4 an Basel Regio (Eggler/Stöckli) scheiteren. Die jahrelang gehegten Olympia-Hoffnungen lösten sich im Nichts auf. "Wir brauchten etwa zwei Monate, um dies zu verdauen", sagte Karnusian. "Erst im Januar begannen wir wieder, deutlich besser zu spielen." Jedenfalls noch früh genug, um sich jetzt als Schweizer Meister feiern zu lassen.
Die Steigerung der Flimserinnen
Auch die Flimserinnen offenbarten in Bern eine Qualität, die im Spitzencurling gefragt ist: sich innerhalb einer Meisterschaftswoche zu steigern. "Die Finalrunde hat für uns wirklich harzig begonnen", sagte Binia Feltscher. "Aber wie wir die letzten drei Spiele gespielt haben, das war genial." Zur Verbesserung trug auch der Wechsel bei, den das Team während der Round Robin vornahm: Die routinierte Heike Schwaller ersetzte auf der zweiten Position Sibille Bühlmann.
Den grössten Erfolg ihrer Karriere, Olympia-Silber 2006, errang Binia Feltscher als Nummer 3 unter Skip Mirjam Ott. Im März wird sie an der WM erstmals selbst das Team Switzerland anführen -- und dies erst noch im curlingbegeisterten Kanada. "Ich kann noch gar nicht glauben, dass wir es geschafft haben", sagte sie kurz nach dem Final. Sie wird sich rasch und mit Freude an die Realität gewöhnen. (Si)