11.03.2010
Der ''Iceman'' braucht den ''Riesen-Exploit''
Diesmal klappte es nicht wunschgemäss. Carlo Janka konnte nicht wie geplant seinen Vorsprung ausbauen im Super G. Im Gegenteil, Benjamin Raich meldete sich eindrücklich zurück im Kampf um den Gesamtweltcup.
sportal.ch wird nach jedem Rennen die Ausgangslage beim Kampf um die wertvollste aller Kristallkugeln neu unter die Lupe nehmen: Wie haben sich die Kräfteverhältnisse verschoben? Wer ist wie gut drauf? Was ist vom nächsten Rennen zu erwarten?
Ausgangslage
Nach seinem überraschenden Triumph in der Abfahrt erfuhr Janka im Super G nun eine kleinen Rückschlag. Statt wie geplant den Vorsprung auf seinen Konkurrenten Raich weiter auszubauen, musste der Obersaxer den Österreicher gar näher kommen lassen. Aus dem Polster von 54 Punkten bleiben noch 38 übrig für die beiden letzten Rennen.
Während der Schweizer Olympiasieger mit den schwierigen Verhältnissen einige Mühe hatte, gelang Raich eine ansprechende Fahrt, die ihn auf Platz 6 im Schlussklassement brachte. So ist Janka im Riesenslalom nun doppelt gefordert, da er im Slalom kaum in der Lage sein wird, in die Punkteränge zu fahren.
Das spricht für Janka:
Der Olympia-Sieg: Es war Jankas grosse Demonstration an den Olympischen Spielen in Vancouver. Nach der Bestzeit im ersten Lauf hielt er dem Druck problemlos stand und holte sich souverän den Olympiasieg im Riesenslalom. Er kann Riesenslalom fahren, und das weiss er auch.
Die Coolness: Seine Nervenstärke hat Janka schon mehrfach unter Beweis gestellt. Und dass ihn auch eine Führung nach dem ersten Lauf nicht aus der Ruhe bringt, hat er mit seinem Weltmeistertitel und dem Olympiasieg gezeigt.
Der Druck des "Gewinnen-Müssens": Janka ist noch jung. Ihm wird sich auch in den nächsten Jahren noch die Gelegenheit bieten, den Gesamtweltcup zu gewinnen. Raich ist hier schon eher unter Zugzwang, seine Karriere neigt sich dem Ende zu.
Das spricht für Raich:
Das Restprogramm: Trotz Jankas Siegen in der Disziplin Riesenslalom muss Raich als der bessere Techniker eingestuft werden. Vor allem im Slalom kann er gegenüber dem Schweizer noch viel Boden gut machen.
Die Erfahrung: Raich ist ein Metronom auf Skis. Der "Blitz aus Pitz" kann ausgezeichnet einteilen, weiss genau, wann er etwas Tempo wegnehmen kann und wann er aufdrehen muss. Dieses Gespür hat er sich über Jahre hinweg angeeignet, hier hat er Janka einiges voraus.
Das Wetter: Janka kam mit dem diffusen Licht überhaupt nicht zurecht. Zwar soll es morgen etwas besser werden, dennoch dürfte der Himmel meist bedeckt sein. Raich zeigte sich vom Wetter unbeeindruckt. Ihn dürften die äusseren Umstände nicht aus dem Konzept bringen.
Die Kräfteverhältnisse haben sich verschoben, Raich konnte entgegen der Erwartungen bereits im Super G den Rückstand verkürzen. Nun ist Janka speziell gefordert, es wird seine letzte Chance sein, nochmals ausgiebig Punkte einzusammeln. Ob ihm dies gelingt? Es bleibt spannend...
Von Daniel Bossi