26.07.2010
Der Mann, der sich selbst im Weg steht

Davide Chiumiento: Wohin des Weges?
Er galt als Jahrhundert-Talent und war die grosse Hoffnung im Schweizer Fussball. Mittlerweile ist Davide Chiumiento 25 Jahre alt und - vereinslos.
Als Chiumiento 2003 einen Profivertrag bei Juventus Turin unterschrieb, schien einer grossen Karriere nichts im Wege zu stehen. Sieben Jahre und vier Vereine später bleibt die ernüchternde Feststellung, dass sich Chiumiento derzeit weit abseits von Ruhm und Ehre bewegt.
Bestimmt: Bei Juve lief damals nicht alles nach Wunsch. Falsche Versprechungen verdrehten dem Appenzeller Teenager den Kopf, er beging Fehler, die ein junger Fussballprofi begehen darf. Nur: Chiumiento scheint aus seinen Fehlern nichts zu lernen. Anders ist seine derzeitige Situation nicht zu erklären.
Drei Jahre zauberte der Super-Techniker für den FC Luzern. Unter Rolf Fringer avancierte Chiumiento zu einer Teamstütze und war mitverantwortlich, dass die Innerschweizer in der Saison 2008/2009 den Abstieg gerade noch so abwenden konnten. Beim FCL erhielt der sensible Familienvater die Nestwärme, die er braucht, um sein unbestritten grosses Potential ausschöpfen zu können.
Doch statt mit dem FCL die Mission Europa League in Angriff zu nehmen, entschied sich Chiumiento dazu, den Verein zu wechseln. Dumm nur, dass er bis heute auf ein befriedigendes Angebot wartet. Vereine wie 1860 München oder Alemannia Aachen bekundeten zwar Interesse, die zweite Bundesliga kann aber nicht das Ziel eines Davide Chiumiento sein.
Der FCL hätte Chiumiento gerne behalten, ging dafür finanziell an die Schmerzensgrenze. Doch der Mittelfeldspieler schlug auch eine mehrfach aufgebesserte Offerte aus in der Hoffnung, in einer grossen Liga Unterschlupf zu finden.
Leider setzt sich damit das fort, was man schon Chiumientos ganze Karriere hindurch beobachten konnte. Er mag ein überdurchschnittlicher Fussballer mit aussergewöhnlichen Fähigkeiten sein - seine verzerrte Selbstwahrnehmung macht ihm aber immer wieder einen Strich durch die Rechnung.
Von Svenja Mastroberardino